Es ist soweit…Von der Geburt über die ersten Tage im Krankenhaus.

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Die letzte Zeit der Schwangerschaft versuchte ich zu genießen, was mir -bis auf immer wieder mal Sorgen und Bedenken hinsichtlich der LKGS- auch gelang. Ich war noch bis zwei Tage vor der Geburt joggen, eine Woche vorher das letzte Mal im Fitnessstudio, habe viel mit Freunden gemacht, war auf Konzerten und habe viel geschlafen.

Dann war es soweit. Wir hatten uns für Jena entschieden. Dort sollte unser Sohn operiert werden und somit auch gleich auf die Welt kommen, um eine optimale Versorgung für ihn und uns zu gewährleisten. Der errechnete Geburtstermin war der 12.Februar 2016. Ab Mitte Januar wurde ich nervös. Schaffen wir es rechtzeitig von uns nach Jena? Es war ja doch eine Stunde Autofahrt. Am 04.Februar 2016 bildete ich mir ein, dass meine Fruchtblase geplatzt sei und wollte das unbedingt in Jena abklären lassen. Fehlalarm. Aber sie behielten mich zur Sicherheit eine Nacht dort. Mein Partner schlief mit im Zimmer. Am nächsten Tag wieder zu Hause angekommen, bekam ich Schmerzen, die ich nicht zuordnen konnte. Mein Partner schien schon leicht genervt. Ich war total verunsichert und wäre am liebsten gleich wieder nach Jena gefahren. Ich schlief die ganze Nacht nicht. Es lag an den Schmerzen, aber auch an meinem Kopf, meine Gedanken…Ich entschied mich, eine Pension in Jena zu suchen und dort auf die Geburt zu warten. Früh morgens teilte ich diese Entscheidung meinem Partner mit. Dieser, noch immer leicht genervt, respektierte meinen Wunsch und fuhr mit mir nach Jena. Vorab wollten wir die Schmerzen noch im Krankenhaus abklären lassen. Und dann passierte es…Der Chefarzt kam am Samstagmorgen aus seiner Bereitschaft (er kannte mich gut durch die Voruntersuchungen und der Besonderheit unseres Sohnes). Er sah sich alles an und entschied, die Geburt vorzeitig einzuleiten. Wir hatten den 06.Februar 2016. Ich begann zu weinen, bekam Angst, aber war froh, in diesem Krankenhaus zu sein und fühlte mich gut aufgehoben. Das Fruchtwasser war an der untersten Grenze. Der kleine Wurm sei noch gut versorgt, alle Werte waren optimal. Aber man möchte keine Unterversorgung provozieren und somit sei die Einleitung der beste Weg. Sie starteten 13:50Uhr.

Es folgten schlimme Stunden. Stunden der Schmerzen, die ich nie erlebte, Stunden der Aufregung, dass nicht doch noch was unter der Geburt passiert. Einen Sauerstoffmangel meines Sohnes wollte ich unbedingt vermeiden. Durch die bisherige Diagnose hatte ich plötzlich vor allem weiteren Angst, was uns noch passieren könnte. Ich denke nicht, dass ich meinen Geburtsverlauf wiedergeben muss. Nur soviel, ich habe mal in jedes Zimmer „gekotzt“ und mein Partner hat fleißig gewischt. Ich wollte zwischenzeitlich aufgeben und war mit meinen Kräften am Ende. Tage zuvor nicht geschlafen, Wehen durch die Einleitung schon mehrere Stunden ertragen müssen, ohne das was passierte. Mein Körper zitterte vor Erschöpfung. Am nächsten Morgen ging es dann endlich in den Kreissaal. Aber auch hier, es dauerte…Am Sonntag, den 07.Februar 2016 um 13:04Uhr war unser kleiner Sohn unter großen Anstrengungen dann endlich da. Er schrie sofort, es war alles in Ordnung.

 

Ich hatte bis zu dem Moment, als er da war, Angst, dass er mir aufgrund der LKGS nicht gefallen würde, dass ich mich vor meinem eigenen Kind erschrecken werde. Es war nicht so. Er war so zart und doch so stark. Ich war so erschöpft, dass ich nicht weiter denken konnte, sondern erstmal nur mein Kind in den Armen hielt. Das sofortige Anlegen an die Brust versuchten wir zwar, er ebenso seinen Reflexen zufolge, aber es gelang ihm nicht. Ich streichte ihm etwas Muttermilch auf die Lippen und dann schliefen wir ein.

Die nächsten Stunden und Tage waren vom Krankenhausalltag geprägt. Wir blieben länger als normal, was der Spalte geschuldet war, für uns aber auch angemessen. Wie ernährten wir ihn? 6 Stunden nach der Entbindung begann ich Muttermilch abzupumpen. Meine Stillberaterin von zu Hause meinte, ich solle dies nun alle drei Stunden tun, mindestens die ersten 8 Wochen in diesem Rhythmus, um die Milch zum Fließen zu bringen. Das tat ich. Somit begann aber auch der erste kleine Leidensweg für mich, den ich in einem anderen Beitrag ausführlicher beschreiben möchte. Ich hatte Gllück. Es floss gleich reichlich Milch, anfänglich ja noch das Kollostrum, dass unser Sohn eine gute Versorgung hatte. Aber wie diese ihm nun zuführen? Spaltkinder können prinzipiell nicht an der Brust saugen, keine Kinder mit einer komplett durchgehenden LKGS, was bei uns der Fall war. Ihnen ist es einfach nicht möglich, ein Vakuum zu bilden oder dieses annähernd lange zu halten, um genug Milch aus der Brust zu bekommen. Es wurde einen Tag nach der Geburt ein Abdruck von seinem Gaumen mit der Spalte gemacht. Er schrie fürchterlich, dass ich das meinem Partner überließ. Ich konnte nicht dabei sein. Am nächsten Tag hatte er bereits die Platte, die er von da an trug, um die Nase halbwegs vom Mund zu trennen. Nur zum Reinigen nehmen wir sie raus.

Die offene Lippe ermöglichte ihm keinen guten „Sitz“ an der Brustwarze und somit imitierten wir anfänglich, das Brusttrinken, da ich immer noch die Hoffnung hatte, ihn dann bald stillen zu können. Das heißt, er schleckerte an meiner Brust rum, ich hielt ihn, während mein Partner mit einer Spritze und einem kleinen verlängerten Schläuchlein die Milch in seinen Mund träufelte. Da Babys am Anfang nur wenige Mililiter zu sich nehmen, war dies möglich, aber auch hier schon sehr mühsam. Später die Tage sind wir schon überwiegend auf das „Fingerfeeding“ umgestiegen. Also wir hielten einen Fingen in seinen Mund, an dem er saugen konnte und spritzten parallel Milch in seinen Mund mit der Spritze und dem Schlauch. Auch das war bei zwanzig Mililiter immer noch möglich. Aber bereits hier dauerte der ganze Vorgang ewig. Ich pumpte alle drei Stunden ab, was sehr anstrengend war, ich anfänglich aber noch gar nicht so wahr nahm und dann das aufwendige Füttern. Aber es war okay und wir freuten uns, dass er trank und nach der typischen kurzen Abnahme nach der Geburt flott wieder zunahm. Es funktionierte also irgendwie. Jedoch wollte uns der Chefarzt nicht entlassen, bevor wir ihn nicht an die Flasche gewöhnt haben, da er irgendwann mehr Bedarf hat, welcher mit der Spritzengabe nicht zu decken sei. Wir wechselten zu einem speziellen Sauger von NUK. Etwas anderes hatten sie nicht im Krankenhaus und ich ärgerte mich , nicht den von zu Hause mitgebracht zu haben, den uns die Stillberaterin empfohl, Medela Spezial Needs. Wie gesagt, Spaltkinder kommen auch nicht mit herkömmlichen Flaschen zurecht, meistens. Ich möchte hier am Rande betonen, dass meine Aussagen keine Allgemeingültigkeit haben müssen. Vielleicht gibt es doch irgendwo ein Kind, was ohne Hilfe normal gestillt werden kann oder ähnliches. Wir mussten jedefalls das Loch im NUK-Sauger vergrößern, da unser Sohn noch nicht viel Kraft hatte, aber sein Überlebenswille half ihm dabei, sich tapfer durchzuschlagen und die Methode mit der Zunge die Milch auszudrücken wie bei jedem anderen Baby auch. Alle weiteren Untersuchungen im Krankenhaus waren zu 100% in Ordnung. Wir hatten also einen kerngesunden jungen Mann. Beim Hörtest nahmen sie uns zunächst die Angst, es sei etwas nicht in Ordnung. Bei vielen Babys sei er negativ, da sich noch Fruchtwasser in den Gehörgängen befinde. Deshalb sei er so kurz nach der Geburt eigentlich auch sinnfrei. Nun hieß es aber, wir können nach Hause gehen. Ich wurde nervös. Schaffen wir das zu Hause? Wir haben plötzlich ein Baby und dieses Baby hat auch noch eine Besonderheit. Ich fühlte mich hilflos. Aber mein Partner drängte. Er hatte die Tage satt im Krankenhaus, satt, nicht in seinem Haus sein zu können, seinen Alltag gestalten zu können. Ich fühlte mich jedoch sicher im Krankenhaus und sollte nun in die „freie Wildbahn“ entlassen werden? Nun gut, es blieb mir nichts anderes übrig. Somit gingen wir am 12.Februar nach Hause.

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