Die verhasst geschätzte Milchpumpe

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Bereits in der Schwangerschaft und mit Hilfe meiner Stillberaterin war klar, dass ich die Muttermilch abpumpen werde. Wenn ich meinem Sohn schon nicht die Brust bieten kann, dann doch wenigstens die wertvolle Milch. Somit erklärte mir meine Stillberaterin alles nötige dazu und empfahl einen Rhythmus von 3 Stunden. Ich begann 6 Stunden nach der Geburt alle drei Stunden, auch nachts, abzupumpen, ob mein Sohn Bedarf hatte oder nicht. Es sei wichtig gewesen, um die Milchproduktion anzukurbeln. Das hat prima geklappt. Im Krankenhaus lief das vor mich hin, ich nahm das alles noch gar nicht so richtig wahr. Die erste Zeit zu Hause ebenso. Wenn es wieder Zeit war zu pumpen, gab ich unseren Sohn meinem Partner und er schlief dort friedlich weiter. Sicherlich ist der Rhythmus körperlich sehr anstrengend gewesen. Alle drei Stunden für 20min zu pumpen, im Anschluss alles sauber zu machen, umzufüllen und gegebenfalls einzufrieren (ich hatte von Anfang an mehr Milch, als mein Sohn trinken konnte), ergab auf den Tag gerechnet 5-6h Beschäftigung ausschließlich damit.
Da mein Partner zu Hause war, ermöglichte das unserem Sohn ein friedliches Weiterschlafen, da er ausschließlich auf uns schlief.
Doch dann kamen grauenvolle, herzzerreißende drei Wochen, in denen ich die Pumpe verfluchte und viel weinte. Unser Sohn nahm allmählich seine Umwelt besser wahr. Und irgendwie wurde er sehr empfindlich. Wir wussten das zunächst nicht einzuordnen, nun jedoch schon – ein ach so lieber Wachsstumsschub. Fast jedesmal, wenn ich ihn meinem Partner gab, weil ich pumpen musste, schrie er fürchterlich. Entweder wurde er aus seinem Schlaf im Tragetuch gerissen oder wir wechselten, während ich ihn eigentlich gerade fütterte. Ich weiß nicht, ob es falsch war, dass ich so penibel genau auf die Zeit geachtet hatte. Aber ich wollte doch nur, dass die Milch fließt. Es war purer Streß für den kleinen Mann und ich hielt es kaum aus. War er vielleicht doch mal ruhig dabei und aktiv, war ich traurig, weil er diese Zeit mit meinem Partner verbrachte, während ich an die doofe Pumpe gefesselt war, danach schlief er wieder. In diesem besagten Wachsstumsschub war unser Sohn so gestresst, dass er sehr wenig und sehr schlecht getrunken hat. Er brauchte ewig, schrie zwischendrin immer wieder und wir wussten diese plötzliche Veränderung nicht zu verstehen. Es war schlimm. Und dann noch daneben an der Pumpe sitzen zu müssen und mein Kind nicht in den Armen halten zu dürfen-ich bin verzweifelt und habe den Sinn dahinter nicht verstanden.
Es drehte sich alles nur um Nahrung; der Stress mit der Pumpe, das schlechte Trinkverhalten unseres Sohnes und damit einhergehend die Angst, dass er das nötige Gewicht für seine erste OP nicht schafft. Als die ersten 8 Wochen rum waren, beriet ich mich erneut mit meiner Stillberaterin. Ich wechselte nun auf einen Rhythmus von allen 4 Stunden, den ich bis heute halte. Anfangs hatte ich große Angst, dass es der Milch nicht zuträglich ist. Aber dem ist nicht so. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so penibel mit der Zeit und versuche es an den Bedürfnissen meines Sohnes abzuwägen. Aber leider gelingt mir das nicht immer-insbesondere nicht, wenn er empfindliche Phasen hat. Ich ärgere mich nach wie vor wertvolle Zeit an der Pumpe zu hängen, aber sie ist so wichtig für ihn. Es klappt auch mal, dass ich parallel mit ihm spielen kann. Das ist schön. Dann besteht der Druck nur in meinem Kopf, die 20min zu schaffen, so das es ihm gut geht. Dann packe ich ihn ins Tragetuch und wir machen alles sauber und bereiten seine Flasche vor. Aber dies gelingt nicht immer. Ich möchte mein Babyjahr mit ihm genießen und nicht nur als das Pumpjahr in Erinnerung behalten.
Der neue Pumprhythmus hat mir jedoch erstmal etwas mehr Entspannung gebracht. Bis zu seiner OP behalte ich ihn bei. Muttermilch wirkt nach der OP antibakteriell, entzündungshemmend und hilft bei der Wundheilung.Zudem darf er sie bis kurz vorher trinken und muss wegen der Narkose nicht hungern. Er wäre somit bestens mit ihr versorgt. Die erste OP umfasst den Lippenschluss, die Nasenformung und die Einsetzung eines Paukenröhrchens ins linke Ohr. Danach versuche ich vielleicht die Abstände erneut zu vergrößern. Gucken, wie sich das dann mit der Milchproduktion entwickelt. Noch immer könnte ich drei Kinder ernähren, so das wir uns einen zweiten Gefrierschrank gekauft haben und ich alles einfriere. Wenn ich irgendwann nicht mehr kann, kann ich ihm zumindest noch mit der eingefrorenen Gutes mit auf dem Weg geben.

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8 Gedanken zu “Die verhasst geschätzte Milchpumpe

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