OP – / Krankenhaustagebuch Teil 1

Tag 1, Mittwoch, den 15.Juni 2016
Der Tag der Aufnahme im Krankenhaus
Ich habe in der letzten Nacht 4h geschlafen. Nicht die besten Voraussetzungen für einen anstrengenden Aufnahmetag. Wir wurden 8 Uhr in der Phoniatrie erwartet zur OP-Aufklärung. Die Ohren unseres Sohnes wurden nochmal untersucht und man besprach mit uns, dass Titan-Paukenröhrchen eingesetzt werden. Diese werden wieder herausfallen. Im Ideallfall halten sie bis zur ersten OP; schlecht, wenn sie nach 4 Wochen wieder den Ausgang finden. Es kann passieren, wenn sie rausfallen, dass das Problem behoben ist und keine neuen benötigt werden. Ansonsten würden dann dauerhafte Röhrchen bei der OP des Gaumenverschlusses eingesetzt werden. Komplikationen wollte ich nicht wissen, mein Partner jedoch schon. Da meine Aufnahmefähigkeit begrenzt war, halb so wild. Nur soviel, die Paukenrörchen könnten auch ins statt aus dem Ohr fallen – von Entzündungen bis zur Hirnhaut mal ganz abgesehen. Nach etwa einer Stunde fuhren wir ins Spaltzentrum. Zunächst mussten wir zur stationären Aufnahme.Man war äußerst lieb zu uns. Dann gingen wir auf Station und bekamen unser Zimmer. Ich bin medizinisch indiziierte Begleitperson meines Sohnes und mein Partner meine Begleitperson. Leider bekam er nur ein Klappbett. Dann war sofort die Assistenzärztin bei uns und klärte uns über die morgige OP auf. Unser Sohn war sehr wild, da er bereits lange wach war, früh alles schnell gehen musste und er Hunger hatte. Als sie nach einer halben Stunde raus war, gab ich ihm seine Flasche. Kurze Zeit später kam noch die Essensbestellungstante und die Pflegekraft. Es blieb wenig Zeit zum Luft holen. Es war bereits 12 Uhr und unser Magen hing im Keller. Dann kam das Mittag. Tortellini. Lecker. 7 Stück in jeweils einer gefühlten Größe eines 2€-Stücks. Mein Partner hatte 8 und gab mir sein 8tes. Es reichte nicht. Wir suchten noch alles zusammen, was in die Soße zu tunken ging, aber es reichte immer noch nicht. Da wir aber bereits 13 Uhr zum Gespräch mit Chefarzt und Oberarzt mussten, blieb keine Zeit für Hunger. Unser Sohn kam endlich im Tuch zur Ruhe, um dann wieder vom Chefarzt geweckt zu werden, um ihn in den Mund zu schauen. Auch hier wieder aufgeklärt, wurden wir zur Fotografin für Vorher – Nachher – Bilder geschickt. Unser kleiner Mann hatte sichtlich die Schnauze voll. Nun endlich wieder ihn im Tuch,gingen wir schnell einkaufen, um meinen Bauch zu füllen, da 15 Uhr das Gespräch mit der Anästhesie folgte. Allmählich verließen mich meine Kräfte, dass ich freiwillig in den Fahrstuhl stieg. Nun auch schlief endlich unser Sohn. Das Gespräch der Anästhesie war nervlich natürlich belastend. Alles aufs genaueste zu wissen, ist nicht immer von Vorteil, aber es war auch sehr freundlich und liebevoll. Wir fühlen uns hier gut aufgehoben. Das Zimmer ist bereits komplett mit Kindersachen verkleidet, alles, was unser Sohn von zu Hause kennt. Dennoch gab es immer wieder verschiedenste Aussagen zum selben Sachverhalt. Wird er uns nun eine Stunde vor der Narkose „genommen“? Sind es doch nur 20min? Heute sagte man uns, er bekommt vorher keinen Beruhigungssaft, erst im Alter von 6 Monaten wäre dies möglich usw. Aber er kann die Nacht bis 2h vor der OP trinken, da er ausschließlich Muttermilch bekommt. Wir werden ihn 4 Uhr wecken, damit er bis 5 Uhr genug oder zumindest etwas getrunken hat. Ich bin bereits körperlich sehr erschöpft.
Gerade stehe ich ziemlich neben mir, habe heute nur mit Ärzten geredet, statt mein Kind angucken zu können. Mein ganzer Körper schmerzt. Gucken, wie die Nacht wird. Unser Sohn hat 15 Uhr eine Stunde geschlafen und ist seither wach. Er kommt nicht zur Ruhe. Die Krankenhauslichter und vieles mehr wecken seine Aufmerksamkeit. Er ist über den Punkt hinaus und er atmet schnell, kreischt immer wieder mal und schafft es auch nicht mit unserer Hilfe zu schlafen. Es ist mittlerweile 20 Uhr.
Tag 2, Donnerstag, den 16.Juni 2016
OP-Tag
Nach gefühlt 500 Runden in einem Konferenzraum um den Tisch (der Raum bat so wenig wie möglich Input) und einigem Auf und Ab auf dem Balkon fand unser Sohn 22 Uhr endlich in den Schlaf. Ich legte mich dann samt Tragetuch mit ihm ins Bett. Mitternacht pellte ich ihn vorsichtig aus dem Tuch und lag ihn neben mich. Irgendwie war dann kein Platz mehr für mich im Krankenhausbett, aber ich konnte ihn nicht wieder wecken und umlegen. Ich arrangierte mich, fand aber keinen Schlaf. Mein Partner und ich wechselten das Bett. Aber auch da fand ich keinen Schlaf. 3 Uhr wurde unser Sohn wach, er trank viel und wir spielten noch etwas. Dann nahm ich ihn wieder ins Tuch, da nun die „Essenszeit“ vorbei war und er lieber etwas schlafen sollte, statt hungrig zu werden.
Emotional geht es mir gut. Wir haben es gerade 4 Uhr. Ich bin voller Zuversicht.
6:30Uhr Unser Sohn schläft friedlich. Mir wird mulmig und es steigen Tränen auf, die ich schnell weg drücke. Er wird nun geweckt, bekommt ein Pflaster zur Betäubung auf beide Hände, um später dort eine Infusion möglich zu machen. Wir wiegen ihn nochmal, ziehen ihm sein Leibchen an und spazieren noch etwas über den Gang mit ihm, während wir auf den Transportdienst warten, der uns zum OP-Saal bringen soll.
7:45Uhr Wir stehen vor dem OP und diskutieren mit den Ärzten. Gestern hieß es , er dürfe Muttermilch bis zu 2h vorher trinken. Heute spricht man von 4h. Wir sind verärgert. Hat er doch 4Uhr das letzte mal getrunken und hat Hunger-ist er doch nach deren Rechnung in 10min nüchtern. Nein, die OP wird verschoben auf 1 1/2h später. Wir sind sauer. Soviel Stress für unserern kleinen Mann.

 

Unser kleiner Mann schreit. Er hat Hunger. Wie soll er verstehen, dass seine Mama ihm das Bedürfnis gerade nicht befriedigen kann? Es ist grausam. Er schläft ein. Gott sei Dank. Er schreit wieder. Er schläft wieder ein.

 

9:38Uhr Endlich übergeben wir ihn der Anästhesieschwester – er völlig zerknautscht, aus dem Schlaf genommen, heiß, Flüssigkeitsbedarf. Er ist ganz ruhig. Wir gehen. Ich kann nicht weinen. Ich zittere und gehe erstmal duschen.

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