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Heute sind wir seit einer Woche nach der ersten OP unseres Sohnes  – die Lippenplastik und das Einsetzen der Paukenröhrchen in die Ohren – aus dem Krankenhaus entlassen.

Ich las mehrfach, dass die Verarbeitungszeit der kleinen Menschen nach diesem Eingriff mehrere Wochen beträgt. Oft wurde die Zahl 6 angeführt. 6 Wochen, bis sie wieder zufrieden mit sich und der Umwelt sind und „nur“ „normale Babyprobleme“ haben. Ich möchte diese sechs Wochen für mich erfassen, um eine Orientierung zu haben, dass diese Zeit nicht als ewig empfunden wird und ich die Hoffnung nicht verliere, dass es bald besser wird, gar geschafft ist.

 

Schlaf – seiner und meiner

Unser Sohn hatte bereits früh (mit etwa  10 Wochen) einen guten Rhythmus mit uns zusammen entwickelt. Er schlief am Vormittag eine Stunde, mittags meistens zwei, nachmittags nochmal eine Stunde und am Abend, als wir zusammen unser Ritual mit Massage, Fingerchen und Gesicht waschen, immer das selbe Lied, Rollos runterlassen zusammen und in Mamas Arm noch eine Flasche trinken, schlief er verlässlich ein und dann mindestens für 4-6h, zwei Episoden. Es tat ihm gut. Es tat uns gut.Seid seiner OP der Lippenplastik ist alles anders. Wirklich alles…Er schläft am Tag so gut wie gar nicht mehr, nickert höchstens mal 10min weg und ist dann natürlich zusätzlich zur Verarbeitung der Eindrücke der OP sehr sensibel. Unser abendliches Ritual zu Hause konnte er zwar wieder annehmen, aber auch nur so halb. Massage geht gerade  nicht, dass scheint ihn nervös zu machen. Er ist die letztzen Tage – die OP ist 13 Tage her – wie gewohnt bei mir eingeschlafen, aber sehr schnell wieder aufgeschreckt, hat bitterlich geweint oder wurde nach drei Stunden nervösem Schlaf wach. Meine Nacht hatte noch gar nicht angefangen, da war sie auch schon beendet. Das zog sich dann oft bis früh morgens. Ein kleiner Mensch, der die Erfahrung der OP sammeln musste und dann keine Erholung im Schlaf findet, dass kann doch nicht gesund sein. Wir haben alles versucht, und meist endet es bei mir im Tragetuch und ich laufe 3h auf und ab. Prinzipiell kein Problem, aber ich muss alle 4h Muttermilch abpumpen, auch nachts, und das stresst dann schon sehr. Im Krankenhaus konnte ich damit auch nochmal anders umgehen, aber dass es zu Hause so weiter geht, ist ernüchternd und sehr belastend. In der Literatur heißt es, dass die Babys vermehrt weniger schlafen, und wenn sie schlafen, die OP verarbeiten und somit weinend und schreiend aufwachen. Das habe ich leider auch beobachtet.  Sein weniger Schlaf führt dazu, dass ich noch weniger schlafe. Vorletzte Nacht kam er dann von 3-5Uhr auf mir zur Ruhe. Leider kann ich so überhaupt nicht schlafen. In den letzten 14 Tagen habe ich gefühlt 10h geschlafen. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte. Ich versuche mit Schokolade durch die Nächte zu kommen und mich zumindest mal hinzulegen, da unser kleiner Mann auf Dauer sehr schwer im Tuch ist und ich nicht die Größte und Kräftigste bin. Mein Körper schmerzt.

Gestern Nacht klappte es jedoch erstaunlich gut – ich vermute die zwei Impfungen, die er zuvor bekam, haben ihren Teil dazu beigetrage. Es half, um kurz etwas Kraft für die nächsten schweren Momente zu tanken.

 

 

Ohren, Nase und Mund

Wir waren in dieser Woche zur Kontrolle der Naht in unserem Spaltzentrum. Die Naht sieht gut aus. Keine Infektion oder Entzündung. Wir sprachen die von uns beobachtete „runtergerutschte“ Nase und die verkürzte linke Oberlippe an. Man hat dies bewusst so operiert – geschnitten und genäht -, da die Muskeln, wenn sie anfangen zu arbeiten, dass ganze im Idealfall noch oben ziehen und ausgleichen. Die Ärzte meinten aber auch, wenn dies nicht der Fall sei, könne man dies mit einer weiteren OP korrigieren. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt. Wieviel OPs soll ein so kleiner Mensch noch ertragen müssen?! Die richtige Arbeit der Muskulatur kann bis zu einem Jahr dauern.

Aus seinen Ohren läuft immer wieder Flüssigkeit. Das ist gut so. Erfüllen die Paukenröhrchen doch ihren Zweck. Hinsichtlich des Höhrens ist auffällig, dass er jedes kleinste Geräusch wahrnimmt und auch die Richtung, aus der es kommt, zuordnen kann. Auch das muss er für sich sicherlich erst einmal einsortieren – kann es ihn anfangs überfordern.

 

Schrei – und Weinverhalten

Die erste Woche zu Hause hatte es in sich. Zu erleben, dass er hier weiter so weinen und schreien muss wie im Krankenhaus, war hart. Kennen wir es doch nun wirklich nicht von ihm.

Mich belastet besonders die Intensität des Weines, die Dramatik und die Not, die dahinter steckt. Jedoch ist die Dauer dieser Momente zurück gegangen und nicht mit denen im Krankenhaus zu vergleichen. Wir wissen auch, dass es definitiv keine Schmerzen sind, sondern ausschließlich das Verarbeiten der OP und das zurecht kommen mit der neuen Situation.

Ich halte ihn ganz fest, trage ihn, wiege ihn. Versuche ihm zu verstehen zu geben, dass ich da bin, dass er seine Gefühle raus lassen kann und verbalisiere seine von mir vermutenden Gefühle und Gedanken.Irgendwann kommt er zur Ruhe.

Trinkverhalten

Sehr beruhigend ist es, dass er in dieser Woche sich gut mit dem Sauger arrangiert hat und beim Trinken keine Probleme hat, auch ohne Platte. Er trinkt die selben Mengen wie vor der OP. Jedoch benötigt er wesentlich länger. Nachts kann sich das bis zu über einer Stunde hinziehen. Am Tag sind es meist so 40min für eine „Mahlzeit“.

 

Schöne Momente

Ich bin froh, dass es auch gute Momente gibt und diese manchmal verhältnismäßig recht lang sind. Er kann wunderbar lächeln, auch wenn sein überbreites Lächeln verschwunden ist. Er tobt mit uns rum, ist er körperlich doch sehr weit. Dreht sich ununterbrochen von einer Seite auf die andere, dreht sich im 360 Grad Winkel, räumt mit Freude meine Regale leer. Leider – für mich – mag er sich noch nicht ausdauernd mit einem Spielzeug beschäftigen. Er schreit in einem quiekenden Ton und hört sich wohl selbst dabei sehr gerne. Er freut sich, wenn er uns sieht, erkundet gerne unsere Gesichter und liebt es an unseren Haaren zu ziehen oder versucht nach meiner Zunge zu greifen. Er spielt wieder vermehrt, hat reichlich Energie dafür. Das zeigt uns, dass wir auf einem guten Weg sind und gibt uns Kraft für die weniger schönen Momente/Phasen, die folgen. Er liebt es mit seinem Spiegelbild zu spielen und zusammen  mit seinem Papa und dessen Teddy aus der Kindheit zu kuscheln und zu brummen.

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