ein kleines 5 von 6 und kein 6 von 6

Ich las mehrfach, dass die Verarbeitungszeit der kleinen Menschen nach der OP der Lippenplastik und dem Einsetzen der Paukenröhrchen in beide Ohren mehrere Wochen beträgt. Oft wurde die Zahl 6 angeführt. 6 Wochen, bis sie wieder zufrieden mit sich und der Umwelt sind und „nur“ „normale Babyprobleme“ haben. Ich möchte diese sechs Wochen für mich erfassen, um eine Orientierung zu haben, dass diese Zeit nicht als ewig empfunden wird und ich die Hoffnung nicht verliere, dass es bald besser wird, gar geschafft ist.

Die erste Woche beschrieb ich bereits, ebenso die zweitedie dritte Woche und auch die vierte Woche.

Nun sind 5 Wochen vergangen, seit wir aus dem Krankenhaus entlassen sind, fast sechs Wochen seit der OP.

 

Ich möchte hiermit diese Resümeefolge beenden. Meines Erachtens hat sich unser kleiner Mann von der OP erholt und meine Beobachtungen stehen nicht mehr mit dieser in Verbindung.

Ausnahme ist einzig und allein die Tatsache, dass unser Sohn seit der OP ausschließlich bei mir zur Ruhe kommt, bei mir trinkt und nur bei mir einschlafen kann. Es fühlt sich gerade auch so an, dass dies über die von mir angesetzten 6 Wochen hinaus bestehen wird.

 

Schlaf – seiner und meiner

Seit ich nachts an seiner Seite bin, schläft er schnell wieder ein, nachdem er etwas getrunken hat. Er gerät nicht in Not, ich bin da. Dass sein Schlaf generell keinem Bilderbuch entspricht, würde ich nun seiner Entwicklung und seiner Persönlichkeit zuschreiben. Die Schlafprobleme, die aus der OP herrührten, existieren so nicht mehr – auch nicht das abrupte Aufschrecken und Aufschreien.

Mein Schlaf ist nach wie vor dürftig, da ich parallel nachts zu meinem Sohn abpumpen muss. Ich versuche am Tag oft zusammen mit ihm die Augen zu schließen. Es gelingt mir jedoch eher selten (beispielsweise wenn ich ihm helfen muss zur Ruhe zu kommen und das Tragetuch dafür eine gute Methode ist).

Es gab Nächte, da wurde er nur dreimal wach oder aber wie die letzte, wo er jede Stunde wach wurde und auch nachts mal eine längere Wachphase hat. Solange er nicht weinen muss, sondern einfach nur wach ist, ist das alles völlig okay, wenn auch nicht dem erwachsenen Schlafrhythmus angepasst. Aber er ist ja auch ein Baby und hat einen noch anderen Rhythmus.

 

Ohren, Nase und Mund

Auch wenn er die neue Platte im Mund gut toleriert, mag er das Einsetzen überhaupt nicht und wehrt sich stark. Das erschwert das Einsetzen natürlich enorm und endet oft in Tränen seinerseits. Es ist nicht schön, ihn so zu quälen in diesem Moment.

Ich muss auch zugeben, dass ich deshalb derzeit die Reinigung seiner Platte auf ein Minimum beschränke. Vor der OP habe ich sie früh und abends aus seinem kleinen Mund genommen, gereinigt und wieder eingesetzt. Jetzt warte ich, dass sie irgendwann von alleine rausfällt und reinige sie dann. Somit kann es passieren, dass es nur einmal am Tag ist. Es kam aber auch schon fünf mal vor.

Diese Woche war die Gutachterin des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) bei uns, um einzuschätzen, ob unser Sohn eine Pflegestufe erhält. Ich hoffe, wir haben schnell ein Ergebnis. Ich würde mich sehr über das Pflegegeld freuen, um die Mehrkosten decken zu können.

 

Schrei- und Weinverhalten

Sein Weinen oder auch mal Schreien würde ich nun gänzlich seinem Charakter zuschreiben und nicht mehr mit der OP in Verbindung setzen. Ich empfinde ihn dennoch als sehr ansprungsvoll, insbesondere in empfindlichen Phasen. Er zeigt uns klar, was er braucht und will und das ist nicht immer wenig.

 

Trinkverhalten

Unser kleiner Mann trinkt wieder richtig gut und je nach Tagesstimmung recht zügig (mit neuer Platte und neuem Sauger).

 

Schöne Momente

Vor ein paar Tagen hat unser kleiner Mann für sich entdeckt, dass er eigenständig eine Rassel zum Klingen bringen kann oder aber auch mit einem Stift auf einen Gegenstand hauen kann. Es sieht sehr hübsch aus, wenn auch manchmal etwas gefährlich. Derzeit macht er dies nur mit der linken Hand. Zudem singt er wunderschön und übt alle möglichen Töne. Herrlich…Besonders toll anzusehen war, als er wie schon mehrmals nach meinem Glas Wasser griff. Als ich es ihm hin hielt, öffnete er den Mund und ich dachte mir, er mag probieren. So war es. Ganze 5 Schluck. Er freute sich sichtlich.

Heute waren sehr sehr liebe Freunde mit ihrer vierjährigen Tochter den ganzen Tag über zu Besuch. Ich liebe solche Tage. Sie tun so gut, wenn ich auch sehr erschöpft durch die letzte Nacht war. Zu wissen, dass er bald mit der jetzt noch 4 jährigen Tochter spielen wird oder sie gar später auf ihn Acht gibt, während die Eltern mal wieder feiern gehen – ein schöner Gedanke.

 

 

Ich glaube, ich bewältige den Alltag sehr gut mit meinem kleinen Mann – trotz des enormen Mehraufwands. Seine Behinderung, da sie nun auch nicht mehr optisch sichtbar ist, gerät für viele somit schnell in Vergessenheit – kann ich das doch nach außen hin alles gut auffangen. Dennoch, sie ist da und in meinem Alltag immer wieder deutlich zu spüren (er kennt es bisher nicht anders).

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu “ein kleines 5 von 6 und kein 6 von 6

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s