Ausgeschlossen von der Welt

Unser kleiner Mann ist mittlerweile ein halbes Jahr alt. Ein halbes Jahr mit Höhen und einiger Tiefen, die wir bisher gut gemeistert haben. Auch habe ich mich mit der Milchpumpe arrangiert.

Dennoch…Mir sind zwar kleine Unternehmungen möglich mit unserem Sohn – aber die großen fehlen mir sehr.

Ich war und bin ein sehr aktiver Mensch, der gerne mit seinen Freunden zusammen ist, sich unterhält, auf Konzerte geht, wandern geht, weg fährt, sich was ansieht.

Die Pumperei lässt dies nicht mehr zu. Aus zeitlichen Gründen, wie auch aus Schamgefühl. Statt meinem Sohn einfach nur die Flasche mit Fertigmilch oder die Brust zu geben, investiere ich am Tag 6h fürs Abpumpen, Reinigung und der „Fütterung“ meines Sohnes (er braucht durch seine LKGS länger als ein gesundes Baby). Zu Hause ist das alles okay. Es funktioniert. Bei einem kleinen Ausflug ist das auch alles noch irgendwie machbar und in meinem Streßhaushalt einzubauen. Große Unternehmungen außerhalb unseres Hauses sind jedoch unrealistisch. Freunde von uns treffen sich für zwei Tage mit ihren Kindern im Vergnügungspark. Wir nicht – wie soll ich da ungestört mehrfach abpumpen und meinen Sohn „stillen“. Klar, ich könnte eine Handpumpe benutzen, die aber die doppelte Abpumpzeit, also 40min, in Anspruch nimmt und parallel meinen kleinen Mann in der öffentlichen Toilette bespaßen – und das alle 4h? Das klingt nicht besonders schön und wäre nur purer Streß.

Die meisten Freunde von uns wohnen weit weg.Der Weg zu ihnen ist immer mit einer längeren Autofahrt verbunden. Früher kein Problem, nun nicht mehr so ohne weiteres möglich. Mal abgesehen davon, dass unser Sohn gerade kein guter Autofahrer ist (er schreit sich innerhalb einiger Minuten die Kehle aus dem Leib, weil er das Festgegurte im Babysitz einfach nicht mag), muss ich immer das Pumpen, die Reinigung und die stressige Nahrungsaufnahme mit einberechnen. Über mehrere Stunden unter Menschen ist mir das einfach zu unangenehm. Es bringt mir Frust und bereitet mir keine Freude. Außerhalb also größeren Aktivitäten nachzugehen, Freunde zu treffen, vermeide ich. Nicht, weil ich es mir nicht wünsche, sondern weil es mehr Streß als Lust fordert und mein Schamgefühl hinsichtlich der Pumperei spielt auch eine bedeutende Rolle. So schön es ist, ein Baby zu stillen – auch in der Öffentlichkeit – so unangenehm und schambesetzt ist das Benutzen der Milchpumpe.

Dennoch, ich habe mich dafür entschieden, weil ich es wichtig für meinen Sohn – auch im Zusammenhang mit den OP´s – empfinde.

Nur  geht dafür seit Monaten mein soziales Leben drauf. Dass dies vermutlich generell etwas eingeschränkt ist mit Baby, ist mir klar – aber nicht so sehr. Ich sehe ja bei vielen anderen Mamas im Freundes- und Bekanntenkreis wie toll es funktionieren kann.

Ich freue mich sehr, wenn uns Freunde besuchen kommen und das passiert Gott sei Dank oft. Da bin ich im Umgang mit der Milchpumpe mittlerweile sehr entspannt – verziehe ich mich einfach in Ruhe in mein Zimmer und mein Sohn spielt auf dem Bett. Aber derzeit würde ich auch gerne einmal den Radius unserer Gemeinde verlassen wollen. Der Besuch zu Hause- so schön er auch ist – erfüllt mich nicht mehr. Ich fühle mich eingesperrt, ausgeschlossen von der Welt, einsam.

Vielleicht fährt mein Partner mit mir und unserem kleinen Mann zu meinem Geburtstag ein paar Tage weg. Wenn wir alleine sind, ist zumindest das Schamgefühl hinsichtlich der Pumperei nicht gegeben, ich kann nach meinem Zeitplan agieren und Unternehmungen gestalten, die das Pumpen einbetten. Dies geht aber auch nur im kleinen familiären Rahmen. Jedoch wäre ich mal „draußen“ und Freundesbesuche könnte man in kleinen Einheiten ausserhalb auch arrangieren.

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8 Gedanken zu “Ausgeschlossen von der Welt

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