Resümee, die Zweite – Monat 5 bis 8

Habe ich in den ersten vier Monaten noch viel gelesen, mich belesen, bin ich nun soweit mit meinem kleinen Sohn ein Team geworden, dass ich mich ausschließlich an ihm orientiere und versuche mich nicht verunsichern zu lassen hinsichtlich Büchern, Ratgebern oder Menschen, die vielleicht es gut meinen, aber gegen meine Überzeugung argumentieren oder die mich nicht ernst nehmen und es für sich besser wissen. Ich ärgere mich noch oft darüber, versuche dem aber nicht mehr soviel Bedeutung zu zu messen.

Die letzten vier Monate waren sehr anstrengend, was primär an der ersten OP unseres Sohnes lag. Seit dieser schläft er ausschließlich bei mir und trinkt nur noch bei mir. In den letzten vier Monaten musste ich mich auch vermehrt mit Menschen und deren Meinung zur Kindererziehung auseinander setzen. Besonders häufig wurde ich mit dem Thema Schlaf konfrontiert und was ich denn alles falsch mache und unser kleiner Mann deshalb das Schlafen nicht „lernt“. Bevor ich mich wieder in Rage schreibe, möchte ich nur auf meinen Artikel Nachtruhe verweisen. Sein Schlaf ist nach der OP sehr unruhig geworden, er hat viel geweint und anfänglich hat er gefühlt kaum geschlafen und ich habe ihn fast nur getragen, dass er irgendwie die Chance hatte, zur Ruhe zu kommen.

Ich bin davon überzeugt, dass mein Sohn irgendwann selbständig schlafen wird, ohne mich permanent an seiner Seite haben zu müssen. Kinder entwickeln sich aus sich heraus, haben ein intrinsische Verlangen/Motivation. Bei einigen geht das mit dem Schlafen eher, andere benötigen eben Mama oder Papa länger bei sich, um in den Schlaf zu finden. Nach seiner nächsten OP wird dieses Thema vermutlich so oder so nochmal neu aufgewühlt werden.

Die letzten vier Monate begannen mit der ersten OP unseres Sohnes – der Lippenplastik und dem Einsetzen der Paukenröhrchen. Es war hart, als wir ihn wimmernd, kraftlos und blutig im Aufwachraum endlich sehen durften und ich mich durch die Kabel kämpfte, um ihn hoch zu nehmen. Sein Gesicht sehe ich noch heute hin und wieder vor mir. Die Krankenhauswoche war heftig, nie hatte ich eine vergleichsweise emotional schlimme Situation erlebt und das alles fast ohne jeglichen Schlaf. Ich beschrieb es ausführlich in Teil 14. Die nächsten 5 Wochen zu Hause hatte unser kleiner Mann noch viel zu kämpfen und alles bisher gewohntes, jeglicher Rhythmus war dahin. Unser Sohn hatte soviel zu verarbeiten, musste neu lernen (Nahrungsaufnahme, Geräuschkulisse) etc. Auch das beschrieb ich ausführlich in Wochenschritten 15.

Aber dann war es endlich geschafft und unser Alltag gestaltete sich wieder ohne OP – Gedanken und – Auswirkungen. Mit 5 Monaten konnte unser kleiner Mann bereits krabbeln, mit 6 Monaten zog er sich an Möbeln hoch und stellte sich hin. Mit 7 Monaten saß er selbständig. Was er wann wie konnte, war weniger von Bedeutung für uns, als vielmehr die Tatsache, dass Kinder mit OP – Erfahrung eigentlich in ihrer Entwicklung etwas verzögert sind. Warum auch immer, bei unserem Sohn trifft das derzeit noch nicht zu und in den letzten vier Monaten ist uns bewusst geworden, dass es ihm in unserem Verständnis prinzipiell richtig gut geht.

Leider plagen uns viele Arztbesuche und das tägliche Drama mit der Gaumenplatte. Ebenso nervt, dass die Haftcreme seine Nase verstopft. Auch gab es im beschriebenen Zeitraum wieder Stress hinsichtlich seiner Ernährung. Es bezog sich diesmal auf den Spezialsauger. Unser Sohn biss mit der Zeit ein riesiges Loch hinein und ich war verunsichert, in wie weit das dem Training seiner Mundmuskulatur schadet, in Bezug auf die spätere Sprachentwicklung. Ich kontaktierte eine Logopädin und sie konnte mir endlich diese Sorge nehmen.

Unser kleiner Mann ist über aus freundlich und viele freuen sich mit ihm. Seid ein paar Tagen fällt jedoch auf, dass er nicht mehr sofort jeden anstrahlt und etwas verhalten guckt, gar beginnt zu weinen. Ich vermute das Fremdeln zeigt sich und bin gespannt, wie es sich bei ihm und seinen Charakter weiter entwickelt und sich äußert.

Trotz seiner 8 Monate hat er noch keinen Zahn und diesbezüglich erkennen wir auch bisher keinerlei Anzeichen. Man sagt, dass die Entwicklung der Zähne bei Spaltkindern verzögert ist. Uns ist das ganz Recht. Macht es sich doch blöd mit der Gaumenplatte. Er wiegt jetzt genau 7500g und ist 65,2cm groß (Stand von vor drei Tagen).

Unser Sohn spielt mittlerweile herrlich mit sich selbst und versinkt im Spiel. Es ist schön zu beobachten, dass er auf ein klares „Nein“ reagiert. Wir lachen viel zusammen und zur Freude meines Partners, unser kleiner Mann ist kitzlig. Ich genieße es sehr, wenn er quiekend zu mir gekrabbelt kommt. Der Alltag mit ihm ist wunderbar und ihn in seiner Entwicklung zu beobachten, ihn zu unterstützen, bereitet mir große Freude. Ich erlebe es als Erleichterung, um so selbständiger er ist, auch wenn ich gut hinterher sein muss bei seiner Agilität.

Ich bin immer wieder sehr erschöpft. Die Milchpumpe und der fehlende Schlaf sowie die Sorgen rauben mir jede Menge Energie, aber ich habe in der letzten Zeit auch verdammt viel gelernt – mich mit meinem Sohn entwickelt. Ich bin gelassener im Umgang mit vielen Dingen als vorher, reagiere spontan und nicht nach Plan. Ebenso erscheint mir die Bedeutung und Wichtigkeit einiger Dinge eine andere.

Die erste OP ist nun 4 Monate her. Seine Nase sieht klasse aus. Ich empfinde seine Narbe an der Lippe jedoch relativ grob. Sie ist hügelig und eigentlich ein großer Punkt statt eine Linie. Unser Spaltzentrum äußerte, dass dies notfalls beim Gaumenverschluss korrigiert werden kann. Mal gucken,wie die Narbe weiter verheilt. Sichtlich besser wird seine linke Oberlippe. Der Muskel beginnt zu arbeiten und sie gleicht sich der rechten Seite immer weiter an und hängt nicht mehr so massiv runter.

Ein wichtiger und hilfreicher Aspekt der letzten Monate war die Pflegebegutachtung unseres Sohnes. Kurz nach dem wir aus dem Krankenhaus zurück waren,stellte sich der MDK bei uns vor. Unser Sohn bekam aufgrund seiner Lippen – Kiefer – Gaumenspalte und insbesondere durch das Milchabpumpen und den weiteren pflegerischen Aufwand tatsächlich die Pflegestufe III, die seine zusätzlichen Ausgaben deckt und als Anerkennung für „meine Arbeit“ dienen soll, ohne zusätzlich Pflegepersonal einsetzen zu müssen.

Nach meiner momentanen Berechnung habe ich nun 2/3 Pumpzeit geschafft. Nach der nächsten OP (Gaumenverschluss) im Januar kommenden Jahres und der dazugehörigen Wundheilung werde ich beginnen abzustillen. Da mich das alles nach wie vor sehr fordert, sei es die fehlende Teilnahme an der Welt oder die rein körperliche Erschöpfung, habe ich meine Elternzeit verlängern lassen, um mich dann wieder ein wenig um mich zu kümmern, wieder zu Kräften zu kommen und auch meinem Sohn einen entspannten Übergang von der OP zur Kita – Eingewöhnung zu ermöglichen. Zur Feier des Tages – unser kleiner Mann ist heute 8 Monate alt – habe ich meine erste und hoffentlich letzte Brustentzündung. Das ist keine schöne Erfahrung. Fürchterliche Schmerzen in der Brust begleitet von Niedergeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber und Schüttelfrost.Ich hoffe, dass das Antibiotikum schnell anschlägt, da so die Versorgung meines Sohnes und das Abpumpen echt eine Herausforderung sind.

Aber zu wissen, dass ich in 4 Monaten abstillen kann und hinten raus nicht sofort arbeiten muss, gibt mir auch die restliche Energie für die nächsten Monate. Und natürlich genieße ich unseren kleinen Mann. Wir haben nun diagnostiziert, dass er ein Wirbelwind ist und schwer in seinem Tatendrang zu bremsen, aber es auch schwer für ihn ist, deshalb Ruhe zu finden. Es wurde Tachykardie festgestellt, welche nach bisherigen Erkenntnissen – wir waren zur Untersuchung beim Kinderkardiologen (ein Langzeit-EKG steht noch aus) – einen Teil seines Charakters/seiner Persönlichkeit widerspiegelt und nicht pathologisch sei.

Vor gut einem Jahr, Ende September 2015, haben wir von der LKGS unseres Sohnes erfahren. Seitdem begleitet sie uns und bestimmt mal mehr, mal weniger unseren Alltag. Aber sie ist immer präsent – noch. Es wird die Zeit konmen,  wo wir darüber nur noch lächeln können.

Solange ist sie ein Teil von unserem Sohn, ein Teil von uns. Sie gehört dazu, sie ist angenommen.

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12 Gedanken zu “Resümee, die Zweite – Monat 5 bis 8

  1. Das mit der Entwicklung hinsichtlich krabbeln, kitzlig sein….etc… kann ich zu 100% auch von uns wiedergeben 🙂 Mit der Schlaferei mach das weiter so, wie du es für richtig hälst- ich stimme deiner Einschätzung nach Nähe usw. vollkommen zu! Das Tochterkind hat damals vom ersten Tag an durchgeschlafen und es hat sich bis heute so gehalten- sie ist ein recht selbständiger kleiner Mensch und braucht(e) unsere Nähe nicht in diesem Maß (auch nicht in Zeiten in welchen sie mal krank war). Der Sohnemann ist das komplette Gegenteil und auch tagsüber sehr verschmust und nähebedürftig. Also wir haben hier wirklich den direkten Vergleich- und,wie das ja mit allem ist- es hat beides seine Vor- und Nachteile…. Kein Kind MUSS schlafen lernen- in diesem kleinen Alter gibt das Kind nur auf,weil es nicht gehört wird,wenn es stundenlang schreien muss und keiner kommt…. Wer dies dann als “ schlafen gelernt“ einstuft, der hat…….. Naja…. Ich denke du kannst diese Gedanken zuende „spinnen“.
    Alles Liebe !!!

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    1. Ja,sie lernen nur, dass Mama nicht da ist, wenn sie sie brauchen und resignieren. Entwicklungspsychologisch echt nicht schön…
      Ich finde es schön, dass du diese „zwei“ Erfahrungen sammeln kannst. Es muss belebend sein. Alles Liebe auch für dich!

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  2. Hallo, zum Thema Schlafen würd ich auch sagen, belass es dabei. Was sollst du auch anderes tun. Wenn er anders nicht einschlafen kann, ist es eben so. Er ist ja auch erst 8 Monate alt. Ich staune, dass ihr die Pflegestufe 3 bekommen habt. Normalerweise gibt es nicht mal die 2. Unser Sohn hat eine bds. LKGS sowie einen schweren Herzfehler, der MDK gewährte die PS 1. Die Abpumpzeiten wurden hier leider nicht berücksichtigt. Also ihr habt da wirklich Glück gehabt.
    SInd bei eurem Sohn der weiche und der harte Gaumen betroffen? Wann erfolgt denn der Verschluss?
    Auf jeden Fall alles Gute für euch.

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    1. Liebe Yvonne, wie hattest du denn abgepumpt? Der Tonus bei uns war ausschlaggebend und der Hauptgrund für die Pflegestufe. Zudem hatte ich gleich ein Gerichtsurteil vorgelegt, so dass die Dame sich daran orientierte. Bei unserem Sohn ist“alles“gespalten. Komplett durch bis zum Zäpfchen, welches geteilt ist.
      Liebe Grüße

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      1. Ich hatte mich mit dem Thema vorab ausführlich befasst und auch die besagten Urteile erwähnt. Ich habe anfangs, also auch als der MDK da war, ebenfalls voll abgepumpt. Die Spalten sind auch komplett, also Lippe, Kiefer, harter und weicher Gaumen. Es wird einfach unterschiedlich gehandhabt. Der Einstufung habe ich widersprochen, bisher hat sich aber nichts getan. Ich belass es dabei, kostet zuviel Zeit und Nerven 😉

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      2. Okay. Das glaube ich dir… Eigentlich schlimm, dass so was nicht einheitlich gehandhabt wird. Weiterhin viel Kraft und voralllem Freude mit deiner Familie… Habt ihr nun den Termin für die Lippenplastik? Der Gaumen wird bei unserm Sohn im Januar operiert (weil du nochmal nachgefragt hattest).

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    2. Herzfehler und Spaltbildung treten oft zusammen auf. Davon sind wir verschont geblieben. Dir viel Kraft! Du meintest ja wegen deinem anderen Kind nicht mehr zu pumpen, oder? Ansonsten würde ich dir raten, um Neubegutachtung zu bitten. Das Gerichtsurteil hatte ich verlinkt, kann es dir gerne aber nochmal zuschicken. Es geht nicht immer primär um die Schwere, sondern um die Auswirkungen im Alltag, was laut Definition des MDK unter Pflege fällt. Alles Liebe!

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  3. Ach, bei uns ist das Schlafen auch immer eine sehr grobe Angelegenheit. Mal klappt es eine ganze Woche vorbildlich, dann plötzlich ist alles wieder anders. Der Mittagsschlaf fällt aus und schwups ist der Rhythmus auf Tage wieder dahin. Zum Erziehen gibt’s da noch gar nix.

    Spannend, dass der Kleine sich schon mit 5 Monaten durch die Gegend bewegt hat. Unsere Kleine lernt das gerade erst. Kommt alles zu seiner Zeit. Aktuell ist unsere eher mit dem Karottenbrei zu Gange – so wie sie reinhaut wird sie lange vor dem Krabbeln, ihre erste vollwertige Breimahlzeit verschlingen ^^

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