Wundheilung, Nahrungsaufnahme und Schlaf zu Hause nach Gaumenverschluss

Trotz kleiner Unstimmigkeiten bin ich immer wieder froh, dass wir uns für dieses Spaltzentrum entschieden haben – keine Magensonde, keine Armschienen, kein Verbot von Flasche, Spielzeug oder ähnliches. Wie bei der Lippenplastik hieß es auch hier, die Nähte müssen es aushalten. Natürlich gaben wir Acht, dass unser Sohn nichts scharfkantiges oder generell viel in den Mund nahm und anfänglich auch nur die Milch zu sich nahm. Nach 10 Tagen begann ich mit Brei -recht flüssig.

Es ist schon seltsam, dass das noch immer  in den Spaltzentren alles so unterschiedlich gehandhabt, teils mit Magensonde und Armschienen oder etwas mit gleicher Funktion verwendet wird. Unser gewähltes Spaltzentrum verneint deutlich diese Methoden und so wurde neben der Umstellung und Verarbeitung durch die OP unser kleiner Mann nicht zusätzlich eingeschränkt, sondern motiviert zu trinken. Er konnte spielen, wenn ihm danach war etc.

Mittlerweile sind drei Wochen seit der OP vergangen. Wir sind seit zwei Wochen zu Hause.

Seinen gewohnten Tagesrhythmus hatte unser kleiner Mann innerhalb von zwei Tagen zurück. Er war sicherlich hin und wieder knautschig und anhänglich, weinte auch mal heftig. Aber ihm ging es prinzipiell gut. Die ersten Tage habe ich auch alles vertraute und geliebte mit ihm gemacht – vom Staubsaugen, Baden in der Badewanne, Fenster gucken bis über spezielle Spielmöglichkeiten, die wir zu Hause haben. Und vor allem bot ich ihm viel Ruhe. Er konnte bereits am zweiten Tag tagsüber zu Hause wieder in meinem Arm im Bett einschlafen, ohne getragen werden zu müssen – was den ganzen Aufenthalt im Krankenhaus nicht möglich war. Nachts war er noch etwas unruhiger, aber auch diesbezüglich musste ich ihn bereits nach drei Nächten nicht mehr ausschließlich tragen. Ich kam selbst mehrmals zu zwei Stunden Schlaf. Herrlich. Es fühlte sich toll an, dass unser Sohn sich so schnell zu Hause beruhigte. Das war bei seiner ersten Operation nicht der Fall und insbesondere das Schlafthema dauerte damals 5-8 Wochen, bis es sich wieder normalisiert hatte. Ich würde sagen, jetzt ist es wieder unabhängig der OP und unser kleiner Mann kommt entsprechend seiner Tageseindrücke gut durch die Nacht.

Liegt es daran, dass er nun älter ist, wir mittlerweile eine ganz liebevolle vertraute Beziehung zu einander haben und er sein zu Hause auch als seinen sicheren Ort betrachten kann? Vielleicht liegt es auch mit daran, dass er diesmal nicht alleine unter fremden Menschen nach der OP wach wurde und Angst verspüren musste. Diesmal waren wir direkt da, als er zu sich kam. Er wurde auf den Bauch gelegt, damit das Blut aus seinem Mund heraus fließen konnte und er sich nicht verschluckt. Er war so wacklig, als er sein Köpfchen hob und es fiel immer wieder herunter. Ich nahm ihn schnell auf und packte ihn in die Trage, damit er weiterhin seinen Körper hängen lassen und langsam zu sich kommen konnte, ganz nah bei mir.

Seine Wunde wurde heute kontrolliert. Noch immer sind Fäden vorhanden. Dies könne 4-6 Wochen in Anspruch nehmen. Die Naht als solche und das umliegende Gewebe/Fleisch/Schleimhaut sehe gut aus, sei ausreichend durchblutet und bisher seien keine Löcher erkennbar. Das klingt erst einmal super. Da sich noch immer viele Milchreste auf den Stellen befindet, wo das Gewebe heraus geschnitten wurde, konnte die Ärztin dahingehend keine Beurteilung abgeben. Aber an diesen Stellen wurde auch nichts vernäht. Es müsse selbstständig von unten nach oben zuwachsen. Die Milchreste seien zumindest weniger geworden, was daraus schließen lässt, dass diese ausgeschnittene Kuhle zuwächst. Wichtig sei aber die Naht und diese sehe, wie erwähnt, gelungen aus.

Dennoch heißt es vorerst weiter den Fokus auf der Milchnahrung zu halten. Brei sei okay und allmählich darf er auch stückiger werden. Aber kein Brot, Brötchen, Kekse oder ähnliches, keine Krümel etc. Diese könnten unter das Gewebe rutschen und eine Infektion auslösen oder aber die Naht beschädigen.

Obwohl das heutige Ergebnis positiv ausfiel, bin ich niedergeschlagen. Ich bin mit der Erwartung in diese Untersuchung gegangen, dass man uns sagt, es sei alles gut und unser Sohn könne nun an weitere Nahrung und Konsistenzen heran geführt werden.

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich das Abstillen kontinuierlich fortführen oder im jetzigen Rhythmus bleiben soll. Es scheint kein Ende zu nehmen. Der nächste und dann vorerst hoffentlich letzte Kontrolltermin für die Wundheilung des Gaumens ist nun erst Ende März – nochmal 6 Wochen warten.

Unser Sohn hat schon lange das Verlangen unsere Lebensmittel mit auszuprobieren. Wieder müssen wir ihn hinhalten.

Er muss zudem das Schlucken und zermahlen natürlich lernen wie die meisten Babys mit 8 Monaten. Alles langsam…

Aber ich wüsste nicht, wie das alles in der Kinderkrippe gelaufen wäre. Gut, dass ich meine Elternzeit verlängert habe und er seine kleinen Füßchen probehalber erst im kommenden April in die Krippe steckt. Ich hoffe, dass er bis dahin das Okay der Ärzte hat und Kleinigkeiten mit essen darf. Ihm vor den anderen Kindern weiteres vorenthalten zu müssen, fände ich sehr schade.

Aber natürlich hat die akkurate Wundheilung Priorität und ich werde alles tun, was mir möglich ist, dass sie positiv verläuft. Seine Spaltbildung war und ist nun einmal sehr groß. Dass sie mit einer OP gut verschlossen werden konnte, zeigt sicherlich, dass die Ärzte qualitativ sehr gute Arbeit geleistet haben. Die Wundheilung aus Unachtsamkeit  zu gefährden oder dem Willen, meinem Sohn doch endlich etwas handfesten zum Essen zu geben bzw.meinen Kopf endlich von der Milch zu lösen, wäre und ist grob fahrlässig.

P.S. Heute vor einem Jahr lag ich bereits in den Wehen.

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7 Gedanken zu “Wundheilung, Nahrungsaufnahme und Schlaf zu Hause nach Gaumenverschluss

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