Resümee, die Dritte – Monat 9 bis zum 1. Geburtstag

Unfassbar… Unser Sohn ist nun ein Jahr alt. Ein Jahr voller Höhen und Tiefen hinsichtlich seiner Spaltbildung, zwei Operationen und vielen vielen Arztbesuchen… Dieses Jahr forderte mich sehr. Aber wie unser kleiner Mann habe auch ich mich entwickelt.

Das erste Resümee und das zweite konnte ich ausführlich gestalten. Nun aber habe ich von den letzten Wochen und Monaten überwiegend nur noch die OP des Gaumenverschlusses in Erinnerung und die ängstliche, nachdenkliche und sehr einsame Zeit davor. Das wird meinem kleinen Mann natürlich überhaupt nicht gerecht, hatten wir doch viele schöne Momente, konnten immer viel lachen miteinander und hat er weitere tolle Entwicklungsschritte genommen.

Ich wiege noch 47kg, muss wieder zu Kräften kommen. Nach einem Jahr völliger Hingabe für meinen Sohn, um ihn trotz seiner Besonderheit so nachteilslos wie möglich wachsen und sich entwickeln lassen zu können, heißt es nun auch wieder etwas Augenmerk auf mich zu richten.

Dennoch – zu wissen, dass ich meinem Sohn viel geben konnte in diesem Jahr, Stress abgefedert bekam und er trotz der vielen unangenehmen und grauenvollen Erfahrungen so ein grandioser experimentierfreudiger, vertrauensvoller kleiner Mann ist, zeigt mir, dass es alles gut so war, wie es gelaufen ist und dass jedes Kilogramm Körpergewicht von mir, jeder innerlicher Schmerz, jegliche Nerven, die ich gelassen haben, richtig eingesetzt wurden.

Im 9. Monat bekam unser kleiner Mann dann doch schlagartig seine ersten zwei Zähne unten, ohne Schmerz. Mittlerweile hat er auch den linken Schneidezahn oben direkt neben der Kieferspalte. Dass die Zahnentwicklung verzögert ist, habe ich falsch verstanden. Das bezieht sich wohl ausschließlich auf den Eckzahn, wo die Spalte ist.

In den letzten vier Monaten ist unser Sohn natürlich in seinem Bewegungsradius immer agiler geworden und läuft mittlerweile an unseren Händen kleine Schritte. An seinem Laufwagen rennt er förmlich und auch sonst turnt er ordentlich durch die Gegend und sucht sich immer kleine Hindernisse, die es zu erklimmen und zu bewältigen gilt. Dadurch nahmen in diesen Monaten auch seine Unfälle zu und von einem blauen Auge bis hin zu einem sportlichen Salto aus einem hohen Bett war alles dabei.

Im Oktober letzten Jahres, der 9.Monat unseres Sohnes, war das Thema Beikost sehr im Fokus. Ich schrieb auch ein zweites Mal darüber. Das lag daran, dass es doch etwas hin und her ging. Eigentlich fand ich den Gedanken ganz schön, Gemüse einfach nur zu dünsten und er nimmt sich, was er ausprobieren mag. Leider verschluckte er sich oft gar heftig und mir wurde richtig mulmig. Nach mehrerene Kontakten und auch Besuchen einer Logopädin und Rücksprache mit meiner Stillberaterin beschlossen wir, unserem Sohn ausschließlich gut durchperürte Speisen zu geben. Seine Spaltbildung verursachte vermutlich kleine Schluckschwierigkeiten, bzw. war das Händling zusammen mit der Gaumenplatte nicht vorteilhaft. Aber diese Art der Beikost war lange Spaß und das gemeinsame Sitzen am Tisch eher vordergründig. Die Gaumen-OP und der anschließende ausschließliche Milchkonsum ließ uns den Brei nicht zu sehr etablieren, um unserem Sohn nicht zu sehr bei der Wundheilung etwas vorenthalten zu müssen. Leider wird dies mit jedem weiteren Tag immer schwieriger. Die Wundheilung des Gaumenverschlusses verläuft gut, aber unser Sohn darf weiterhin nur breiige Kost zu sich nehmen. Das stimmt ihn mit jeder Mahlzeit unzufriedener und er vermittelt uns deutlich, dass er bei uns mit essen mag. Er weint mittlerweile oft am Tisch, weil wir ihm nicht das geben dürfen, was er probieren mag. Das ist nicht schön. Leider kann ich es meinem kleinen Mann mit nun 12 Monaten auch schlecht verständlich erklären. Das macht mich traurig.

Bei den Besuchen der Logopädin bestätigte diese mir, dass die kleinen Menschen durch diese OP´s traumatisiert seien. Immer, wenn ich diesebzüglich der Umwelt meine Befürchtung mitteilte, erfuhr ich eher Gelächter und den unqualifizierten Satz, sie seien klein und vergessen alles. Entwicklungspsychologisch betrachtet, weiß aber niemand, was sie unterbewusst abspeichern und ich hoffe einfach, viel abzupuffern und im Nachgang ausgleichen zu können. Bei unserem Sohn wurde deutlich, dass er mittlerweile nichts mehr mag, was seinen Mund betrifft und ich hoffe stark, dass das spätere Zähne putzen nicht problematisch wird. Anfänglich hatte es geklappt. Aber nun nach der zweiten OP ist auch dies nicht mehr möglich. Ich warte ab.

Im November, seinem 10.Monat – unser Sohn war nun tatsächlich ein dreiviertel Jahr alt –  begannen meinen Gedanken hinsichtlich der nächsten OP zu wachsen und ich versuchte die Gegenwart weiter im Auge zu behalten. Ich setzte mich mit dem Thema auseinander, wie ich mich als Mama verändert habe und warum ich blogge. Das war sehr aufschlussreich.

Besuche im Spaltzentrum dienten der regelmäßigen Kontrolle. Die Narbe an der Lippe unseres Sohnes ist wie ein großer wülstiger Punkt gewesen. Man sprach von Hypertrophie. Nun aber ist zwar der Punkt noch dar – es ist keine Linie – , aber die Narbe hat sich abgeflacht. Es ist gut, dass wir uns beim Gaumenverschluss gegen eine zusätzliche Korrektur der Lippe ausgesprochen haben. Die Narbe hat noch Zeit sich zu „entwickeln“. Unser Sohn soll selbst entscheiden, ob er eine Korrektur wünscht, welche mit einem weiteren Eingriff verbunden ist. Vielleicht aber verwächst sie sich so gut, dass er später darüber nicht nachdenken muss.

Natürlich hatte ich weiter mit der Milchpumpe zu kämpfen, und ich zählte Stunden und Tage, bis zum errechneten Abstilltermin. Der Gedanke an eine harmonische Familie und die emotionalen Unterstützungen von Freunden und Bekannten half mir in dieser Zeit sehr und ich machte Pläne für eine Feier. Das motivierte mich weiter Muttermilch abzupumpen und durchzuhalten.

Im nassen Herbst wurde mein Sohn heftig krank und später erwischte es auch mich, was mir deutliche Grenzerfahrungen aufzeigte. Leider steckte sich der kleine Mann bei einer Routineimpfung beim Kinderarzt an, was das ganze etwas ärgerlich erscheinen ließ, aber nicht zu ändern war. Das wird wohl noch öfters passieren.

Warum wir uns für das Behandlungskonzept entschieden, mit dem unser Sohn im ersten Jahr medizinisch versorgt wurde, beschrieb ich, um aufzuzeigen, welche Vielfalt es diesebzüglich gibt und was wir als Laien als sinnvoll erachten.

In den letzten Monaten hatten wir viel Spaß mit unserem Sohn. Es ist doch sehr schön, umso selbständiger die kleinen Menschen werden und immer mehr Persönlichkeit erkennbar wird. Nach wie vor macht er oft eine Geste wie ein kleiner Gorilla. Ich liebe es!

Eine Pflegebeauftragte musste im Dezember kontrollieren, ob unserem Sohn die festgestellte Pflege zu Gute kommt oder ob eine externe Fachkraft eingesetzt werden müsse. Aber; die Pflege ist gesichert!

Ich war oft erschöpft und musste mich immer wieder neu aufraffen. Jetzt nach der OP gar nicht mehr richtig vorstellbar, da doch viel Anspannung abgefallen ist. Extreme Empfindungen waren immer wieder spürbar. Dennoch gab es zur Beruhigung schöne Tage der Normalität und einem entspannten Alltag im Winter.

Kurz vor Weihnachten mussten wir hinsichtlich der anstehenden OP im Januar die Ohren unseres Sohnes kontrollieren lassen und es wurde festgestellt, dass die Pauckenröhrchen mit der Zeit verkrusteten und nicht mehr für eine gute Belüftung des Mittelohrs sorgten. Unser kleiner Mann hörte nicht mehr so, wie er es sollte. Somit beschlossen wir, beim Gaumenverschluss bleibende Pauckenröhrchen einsetzen zu lassen, um ein Herausfallen zu verhindern (eines der Pauckenröhrchen sei wohl bereits heraus gefallen) und optimale Voraussetzungen für eine adäquate Sprachentwicklung zu ermöglichen. Das eventuell bleibende Loch im Trommelfell, wenn die bleibenden Pauckenröhrchen bei der Kiefer-OP herausgenommen werden müssen, nahmen wir in Kauf – im Vergleich zu einer nicht hinreichenden Sprachentwicklung alle mal besser. Den Badespaß müssen wir leider etwas begrenzen.

Hin und wieder erlebte ich, dass man mir den Streß mit der Besonderheit meines Sohnes als Teil von uns deklarierte, was auch der Realität entsprach und entspricht. Dennoch macht es die Situation nicht einfacher, wenn man das Gefühl bekommt, sich nicht beklagen zu dürfen.

Ein Winterspaziergang half mir oft, mich von der Realität zu entfernen und durchzuatmen.

Trotz der vielen Widrigkeiten genoss und genieße ich meinen Sohn und er entwickelt sich auch mit seinen zwei OP-Erfahrungen und vielen ständigen Arztbesuchen sehr schön. Er entdeckt so interessiert seine kleine Welt, mit großer Faszination für viele Dinge, Freude am Dasein,  Kuscheln mit uns und mittlerweile zeigt er selbstsicher, wenn er auf etwas keine Lust hat. Seine nervige Sabberei (insbesondere durch die Gaumen-OP hervor gerufen) ist dann oft irrelevant.

Und nun, nun ist das erste Jahr mit meinem Sohn vorbei und ich bin auch etwas traurig. So schnell vergeht die Zeit. Habe ich sie trotz der Schwierigkeiten genossen? Natürlich. Jede Sekunde, die mein Sohn und ich verbracht haben, war herrlich. Er ist mein kleines Wunder und ich bin immer wieder erstaunt, wie er ist, wer er ist, dass er ist!!!

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4 Gedanken zu “Resümee, die Dritte – Monat 9 bis zum 1. Geburtstag

  1. Wenn auch recht spät am Abend ( leider ging es nicht eher 😦 ) alles alles Liebe und Gute zum 1. Geburtstag dem kleinen Kämpfer, ein aufregendes( im positiven Sinne) neues Lebensjahr, Spaß, Freude, Entdeckungslust, sowie vielen neuen Freunden im zukünftigen Kindergarten, weiterhin einer so einfühlsamen, nur das Beste wollende und „hart im Nehmen“-de Mama ; einfach 365 Tage Sonnenschein! Du hattest sicher einen wunderschönen und aufregenden, feierlichen Tag! Nun also gute Nacht kleiner Mann und Mama ( du hast ja schließlich auch 1. Geburtstag als Mama ;)! )
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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