Frustration – seine und meine

Mein Sohn möchte essen und darf es wegen der Wundheilung noch nicht. Ich bin mit dem Gedanken in die Gaumen-OP gegangen, dass drei Wochen später zumindest bis zur sehr wahrscheinlichen Logopädiebehandlung und der späteren Kiefer-OP es soweit vorbei und geschafft sei, da uns das damals die Ärztin so vermittelte. Ich malte mir aus, drei Wochen nach der OP mit dem Abstillen zu beginnen und im Frühling, die Milchpumpe los zu sein, dass mein Sohn endlich selbständig essen könne nach einer Eingewöhnungsphase und der viele Streß und die Anstrengung des letzten Jahres vergessen sei.

Aber nun traue ich mich nicht, dass Abstillen weiter fortzuführen – minimiert ist es bereits -, weil mein Sohn hinsichtlich seiner Nahrungsaufnahmemöglichkeiten sehr frustriert ist. Er möchte soviel ausprobieren und darf es nicht. Das wiederrum führt dazu, dass er jegliche pürierte Speiseform oft verweigert und nur noch ausschließlich Milch trinkt.

Mein kleiner Mann weint am Tisch und ich muss immer wieder alles verneinen. Es macht mich traurig und auch wenn ein paar Wochen für Außenstehende wenig erscheint, werde ich doch jeden Tag mindestens 3-5x damit konfrontiert. Mein Partner und ich, wir gehen unterschiedlich damit um. Vielleicht aber auch, weil ich noch das Thema Abstillen im Kopf habe und das Gefühl verspüre, ewig nicht von der Pumpe los zu kommen. Natürlich könnte ich ganz ungezwungen das Abstillen fortführen. Aber innerlich habe ich den Drang mein Kind zu ernähren. Und wenn es schon nicht mit den Lebensmitteln von unserem Tisch versorgt ist, doch dann zumindest noch so lange mit der Muttermilch.

Traurigkeit, Wut und Frustration…Mein Sohn und ich, wir verspüren wohl beide diese Empfindungen. Ich weiß warum, wir das derzeit noch so handhaben müssen – mein kleiner Mann nicht.

In sechs Wochen möchte ich ihn in der Kinderkrippe eingewöhnen. Ich möchte ihm ersparen, dass er dort auch sehen muss, wie andere Kinder etwas essen und er es nicht darf. Es ist schlimm genug, dass dies zu Hause bei uns passiert.

Ich weiß mir auch nicht mehr zu helfen, versuche ich doch die leckersten Dinge in pürierter Form ihm anzubieten. Aber er möchte selbst essen, er möchte knabbern. Ich kann ihm auch nicht wie einst den Löffel überlassen, da er unbedarft mit ihm im Mund rumspielt. Die OP-Naht ist dafür noch nicht ausgelegt. Ich versuche ihm sein Essen „vorzuessen“, dass er Lust darauf bekommt oder aber beschmiere mein Brötchen beispielsweise mit Frischkäse (den ich eigentlich selbst nicht esse), um ihm dann bei seiner Aufforderung wenigstens den Frischkäse vom Löffel lecken lassen zu können.

Ihn gänzlich davon fern zu halten, zu sehen, was wir essen – was auch eine Möglichkeit wäre -, ist nicht möglich. Das gibt unser Alltag und unser Tagesablauf nicht her.

Diese letzten Meter schaffen mich sehr und ich fühle mich sehr bedrängt und der Wunsch nach Unabhängigkeit, für mich und für meinen kleinen Mann, stresst mich wohl zusätzlich. Den kommenden März hatte ich mir eigentlich schon ohne Pumpe und reisend mit meinem Sohn gewünscht. Auch wenn ich meine Elternzeit verlängert habe, empfinde ich gerade Druck und Zeitnot. Zeit, die ich für mich nutzen wollte, geht wieder für die Spaltbildung und ihre Folgen drauf. Das soll nicht egoistisch klingen. Natürlich ist die Wundheilung des Gaumenverschlusses meines Sohnes sehr wichtig. Es hilft ihm und mir nicht, wenn wir aus Unachtsamkeit und Ungeduld etwas provozieren, was nicht nötig sein muss.

Mir fehlt mein Partner, die Zeit mit ihm. All meine restliche Energie fließt aber derzeit noch immer in die Versorgung meines Sohnes und in die Milchpumpe. Ich schlafe seit über 13 Monate (den letzten Schwangerschaftsmonat konnte ich bereits auch nicht schlafen) nicht mehr als 2-6h nachts und diese nie am Stück. Ich bin frustriert. Frustriert und traurig, dass mein Sohn sich bezüglich seiner Nahrungswünsche momentan noch nicht weiter entwickeln darf und frustriert und traurig, meine Bedürfnisse weiter aufzuschieben.

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