1. Etappenziel erreicht

Wenn ich meine Beziehung zur Milchpumpe und das noch nicht abgeschlossene Abstillen einmal ausklammere, haben wir das erste Etappenziel nun endlich erreicht. Unglaublich, wie gut sich das anfühlt.

Wir waren heute für viele Monate vorerst das letzte mal in unserem Spaltzentrum. Der Gaumen unseres kleinen Mannes konnte von vorn bis hinten gut begutachtet werden – unser Sohn schrie fürchterlich. Es ist alles gut verheilt, keinerlei Fäden mehr vorhanden, alles dicht verschlossen. Selbst die schwierige Stelle am Kiefer vorne  bei den Schneidezähnen sei gut zusammen gewachsen. Diesmal äußerte die Ärztin sich wieder, er habe einen langen Gaumen und somit gute Sprachvoraussetzungen. Das sagte sie bereits  zu Anfang bei einer Kontrolluntersuchung. Bei der letzten Untersuchung hingegen benannte sie genau das Gegenteil – unser Sohn habe einen kurzen Gaumen und werde Logopädie benötigen. Dieses Hin und Her bei einigen ihrer Aussagen war mir heute aber vollkommen egal. Unser kleiner Mann hat keinerlei Restlöcher in seinem Gaumen. Es muss diesbezüglich keine weitere Operation angesetzt werden und wir sollen erst wieder in einem Jahr zur Kontrolle. Der nächste Termin ist der 18.02.2018… Unfassbar…Vorerst müssen wir tatsächlich diese lange Fahrt nicht mehr auf uns nehmen. Unserem Sohn können wir diese Untersuchungen nun ersparen.

Nach diesem Termin sind wir noch in die Phoniatrie zu der Ärztin gefahren, welche unseren kleinen Mann beim Gaumenverschluss die bleibenden Pauckenröhrchen einsetzte, um diese und seine jetzige Hörfähigkeit zu kontrollieren. Auch in diesem Punkt erhielten wir gute Ergebnisse. Durch unseren niedergelassenen HNO-Arzt vor Ort müssen wir die Ohren unseres Sohnes mit den Pauckenröhrchen  und seiner Hörfähigkeit nun alle drei Monate kontrollieren lassen. Die Pauckenröhrchen könnten sich wieder mit Sekret zusetzen und das Hörvermögen unseres Sohnes beeinträchtigen, welches in vielerlei Hinsicht ungünstig wäre – Sprachentwicklung, Wahrnehmung seiner Umwelt etc…Da wir uns aber für die bleibenden Pauckenröhrchen entschlossen, ist die Wahrscheinlichkeit diesbezüglich zumindest geringer. Diese haben einen größeren Durchmesser, um die Flüssigkeit, welche durch den mangelnden Druckausgleich durch die noch nicht adäquate Funktion der Muskulatur des weichen Gaumens, nach Außen zu leiten. Sie sind auch länger und gehen somit aus dem Trommelfell heraus.

Wir erkundigten uns nach einem „Schwimmstirnband mit Stöpseln“, um unserem Sohn einen Badespaß ohne Einschränkungen zu ermöglichen. Das Stirnband verhindert Wassereintritt, welcher zu einer Mittelohrentzündung führen würde, da sein Ohr noch nicht so arbeitet, wie ein gesundes. Ebenso fehlt die Fähigkeit zum Druckausgleich – Tauchen bleibt vorerst tabu.

Unser kleiner Mann geht mittlerweile einmal mit mir in der Woche zu einer Logopädin, um seine Mundmuskulatur zu stärken und um Sprachschwierigkeiten vorzubeugen bzw. gleich im Ansatz zu mindern – oft wird von einem nasalen Klang der Stimme gesprochen. Die Ärztin im Spaltzentrum meinte, dass man dies in der Regel auch schon bei den ganz Kleinen hören könne und bei unserem Sohn habe sie es nicht vernommen. Und wie bereits erwähnt, sei ihrer Ansicht nach auch der Gaumen in seiner Länge ausreichend für eine gesunde Sprachentwicklung. Noch sind es alles Spekulationen – für mich auch nicht primär wichtig. Die LKGS meines Sohnes ist ein Teil von ihm. Ich möchte, dass er sie später auch so annehmen kann. Kleine Sprachauffälligkeiten fände ich nicht schlimm. Wichtig ist, wie er damit umgeht. Und das ist dann auch eine Aufgabe von uns als Eltern, ihm ein gesundes Selbstvertrauen und Selbstbewusstein zu geben, was er benötigt, um bei eventuellen Stigmatisierungen der Umwelt Stand zu halten.

Wir freuen uns nun an dem Gedanken, die OP´s erstmal lange Zeit hinter uns lassen zu können und – abgesehen von der Logopädie und den regelmäßigen HNO-Kontrollen –  unseren Alltag immer normaler gestalten zu dürfen.

Mittlerweile isst unser Sohn Brot, weich muss es sein. Er kommt jeden Tag etwas besser mit Nahrung zurecht und wir probieren stets was neues aus. Sein Schlingen macht das Essen jedoch hin und wieder sehr stressig. Leider kommt es öfter zu Zwischenfällen, in denen er sich heftig verschluckt und es bis zur Atemnot geht. Seine Augen kommen heraus, er wird puderrot, würgt und bekommt keine Luft. Für mich ist das jedesmal grauenvoll. Erst letzten Freitag musste ich ihn wieder auf den Kopf stellen.

Ansonsten erfreut uns unser Sohn mit vielen kleinen neuen Entwicklungsschritten. Er winkt, er klatscht beide Hände zusammen und seit gestern läuft er immer wieder kleine Schritte vollkommen selbständig. Es ist zuckersüß, das zu beobachten. Seine Freude ist deutlich in seinem Gesicht erkennbar. Das Gleichgewicht nach hinten bereitet ihm noch etwas Schwierigkeiten, aber er bekommt es gut ausbalanciert.

Nach 407 Tagen haben wir endlich das erste Etappenziel erreicht.

Der Frühling steht vor der Tür. Wir haben es geschafft!

Werbeanzeigen

2 Gedanken zu “1. Etappenziel erreicht

  1. Soooo schön zu hören!! Auch die Verhaltensweisen und Entwicklungsschritte lassen sich fast mit unserem kleinen vergleichen, klatschen(alles Mögliche mit den Händen nach-machen),zeigen/ sagen, was man möchte/meint, vereinzelte Wörter UND hier läuft man seit knapp zwei Wochen alleine- mittlerweile nicht nur ein paar Schritte, sondern durch die ganze Bude. Zuckersüß sind dabei die „Gleichgewichtsstrauchler“, wenn das Kind im Hohlkreuz mit den Armen wedelt um wieder in einen sicheren Stand zu finden oder ab und zu auf dem Po zu landen! Sieht bei euch in etwa auch so aus:-D
    Ich bin überzeugt, dass deine Art auf deinen Sohn einzugehen,sehr viel damit zu tun hat,dass er sich so toll entwickelt und -meiner Meinung nach- einem “ gesunden“ in keiner Weise nachsteht- im Gegenteil- vllt in einigen Dingen sogar besser als ein gesundes Kind, da er jegliche Unterstützung bekommt und vor allen Dingen einfach jemanden hat, der ihn versteht,auf ihn bedingungslos eingeht, ihm Vertrauen vermittelt und „einfach machen lässt“,sodass er sich ganz nach seinem Belieben entwickeln kann! Ihr habt diese 407 Tage sooooo toll gemeistert! Wir- der fast gleichalte kleine Mann neben mir und natürlich auch ich- wünschen euch von Herzen weiterhin alles Liebe und Gute für eure tolle Mutter (Eltern)- Sohn- Beziehung!
    Liebe Grüße Julia 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s