„gaga/dada“, die Flöte und der ganz normale Wahnsinn

Seit unser kleiner Mann sicher läuft – drinnen wie draußen, entwickelt er sich sprachlich weiter. Lange hatten wir keine Silben mehr aus seinem Mund vernommen wie einst „nana“ oder „mama“. Ausschließlich Freudenlaute oder Geräusche des Unbehagens formte sein Stimmorgan. In seiner Entwicklung war unser Sohn mit der Motorik beschäftigt.

Nun aber äußert er Laute wie „gaga“ oder „dada“. Bemerkenswert, welche Schritte diese kleinen Menschen kontinuierlich gehen. Ich bin immer wieder erstaunt.

Insbesondere seine sprachliche Entwicklung lässt mich doch noch mit etwas – wie soll ich sagen – Unruhe oder Neugierde in Bezug auf seine Besonderheit der LKGS horchen. Wird er Schwierigkeiten bei der Lautbildung bekommen? Wird unser kleiner Mann nasal klingen?

Mittags hat unser Sohn meist zwei Stunden, in denen er im Bett tobt und seine neuen Laute freudestrahlend und mit viel Nachdruck von sich gibt.

Generell ist er gerade so aktiv und voller Energie, dass ich immer vermute, mehr geht nicht. Und dann geht doch noch mehr. Er quietscht und stößt mit einer Inbrust laut Töne aus und strahlt dabei über beide Ohren.

Seit ein paar Tagen ist es sommerlich warm. Er spielt mit den Wassertonnen draußen – nackig oder in klitsch nassen Klamotten (die Temperaturen lassen es zum Glück endlich zu) und er kann sich in/auf unserem Grundstück oder am See gänzlich ausleben. Ich würde fast behaupten, besser geht es nicht. Unser Sohn haut sich fröhlich mit beiden Händen auf den nackigen Bauch oder seine Brust. Er genießt es sehr, keine Kleidung an seinem Körper zu haben. Er rennt quiekend mit einer Gießkanne durch den Garten, strahlt mit einem überbreiten Lächeln und rennt von Regenfass zu Regenfass, gießt die Blumen, die Treppe (siehe Beitragsbild), wühlt im Sand, rutscht seine kleine Rutsche hinunter, sammelt Blumen ein – oder aber im Haus läuft er die Treppe rauf, Treppe runter, tobt durchs alle Zimmer, kreiert selbst tolle kleine Spiele, sortiert Geschirr etc.

Es ist so schön, ihn einfach nur Kind sein lassen zu können und seiner LKGS in keinster Weise mehr soviel Augenmerk zugestehen zu müssen wie im vergangenen Jahr.

Die sprachliche Entwicklung, seine Fähigkeiten der Mundmotorik nehme ich sicherlich stets mit Fokus auf seine Besonderheit wahr. Aber im Vergleich zu den bisherigen Erfahrungen und Empfindungen ist das ein Witz. Es läuft eher parallel. Beispielsweise zeigen wir unserem Sohn immer mal, wie man pustet, da das das Gaumensegel stärkt. Pusteblumen sind gerade sehr angesagt, dass Essen zum Abkühlen pusten oder aber auch mal aus der Flöte einen Ton bekommen. Oft drückt er seine Luft noch durch die Nase und nicht durch den Mund. Das liegt auch daran, dass wir ihm vor einigen Monaten das gezeigt hatten, um bei seiner Erkältung sein Nasenschleim heraus zu bekommen. Dass er aber hin und wieder einen Ton aus der Flöte bekommt, ist doch auffallend. Es ist schließlich nicht die einfachste Übung. Auch das Riechen – welches ebenfalls das Gaumensegel stärkt – haben wir in unseren Alltag eingebunden; an Blumen, am frisch gemahlenen Kaffee, Pfefferminzblättern aus dem Garten oder was sich sonst noch so ergibt.

All das läuft ungezwungen und ohne Sorge um ihn. Es fühlt sich gut an. Vermutlich liegt es auch daran, dass wir derzeit nicht konkret mit neuen Defiziten, beispielsweise im sprachlichen Bereich konfrontiert werden.

Unser kleiner Mann ist nach wie vor aufgeschlossen, weint/schimpft im Verhältnis wenig. Wenn er unzufrieden ist, weil ich ihm etwas nicht erlauben kann, fokussiert er nach einer Äußerung des Unmuts kurzer Hand etwas neues, womit er sich beschäftigen und auseinander setzen kann. Meines Erachtens – im Vergleich mit anderen Kleinkindern, welche ich hin und wieder beobachten kann –  ist unser Sohn auch sehr geduldig.  Er ist ein kleiner Charmeur, hat ein unbeschreiblich schönes Lächeln und Lachen (was nicht nur ich als Mama so empfinde), und reagiert sehr gut auf uns. Er akzeptiert unsere Grenzen.

Ich empfinde ihn als kleinen liebevollen, verrückten, lebensfrohen Rabauken.

Gestern waren wir regulär beim Kinderarzt. Er ist mit über 15 Monaten jedoch noch immer recht klein – 73,5cm. Gerade scheint das (neben der durchgemachten Mittelohrentzündung und der Angst um die Paukenröhrchen) noch ein akutes Merkmal seiner Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und deren Folge zu sein. Sein Gewicht ist 9,8kg. Da dies vollkommen im Normbereich ist, sei die Körpergröße noch immer nicht bedenklich laut der Kinderärztin.

Wir genießen die Tage als Familie und mit einem „gesunden“ Jungen. Seine LKGS verschwindet immer mehr in den Hintergrund durch die ungeheure fröhliche Art unseres Sohnes und der Tatsache, dass unser Alltag endlich ohne zusätzliche Belastungen und Ängste gekennzeichnet ist. Nur, wenn hin und wieder kleine Probleme wie die Mittelohrentzündung oder die Auffälligkeit seiner Körpergröße auftreten, ist die Besonderheit unseres Sohnes präsent in unserem Kopf, insbesondere in meinem. Ein paar Gedanken und Sorgen finden dann auch ihren Weg nach draußen. Aber diese sind mittlerweile mit viel Hoffnung und dem Glauben, dass unser kleiner Mann alles weitere bewältigen wird, versehen. Ich bin gespannt, wie es sprachlich bei ihm weiter geht.

Aber eins kann ich sagen… Mich erschüttert so schnell nichts mehr. Und das, was vielleicht andere als Problem bezeichnen, ist für mich noch lange keins.

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