LKGS und die Auswirkungen auf die Paarbeziehung

Ein Kind zu bekommen, ist meist eine große Herausforderung für eine Beziehung und man muss sich auch als Paar zunächst neu sortieren. Ein beeinträchtiges Kind zu bekommen, ist vermutlich noch einmal etwas schwerer, da viele Sorgen und Ängste sowie Aufgaben neben der Tatsache, dass aus zwei drei werden, hinzukommen.

Vor zwei Jahren erfuhren mein Partner und ich, dass unser sehnlichst gewünschtes ungeborenes Kind mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf die Welt kommen wird. Es erschütterte uns sehr.

Zu dem Zeitpunkt war unsere Beziehung 4 Jahre alt und wir hatten bereits einige Herausforderungen genommen. Wir sind in einigen Punkten im Leben in unserer Persönlichkeit sehr unterschiedlich und haben schwierige Phasen nur mit Hilfe von viel Toleranz bewältigt.

Die Diagnose der LKGS unseres Sohnes führte zum ersten Mal ernsthaft dazu, dass ich unsere Beziehung anzweifelte, da mein Partner sich mit der Diagnose so überfordert sah, dass wir das Thema des Schwangerschaftsabbruchs besprechen mussten. Es war emotional eine sehr schwere Zeit. Dann aber entschieden wir uns, dass unser Sohn weiter in mir wachsen kann. Ich bekam ihn auf natürliche Weise und wir meisterten unsere neue Aufgabe gut. Das tun wir bis heute, denn unser kleiner Mann entwickelt sich trotz seiner Beeinträchtigung wunderbar und weist emotional keinerlei Defizite auf.

Jedoch hat unsere Beziehung, die meines Partners und mir, in den letzten zwei und insbesondere in den letzten 1 1/2 Jahren sehr gelitten. Jeder versuchte der Situation Herr zu werden, hatte mit Ängsten und großen Sorgen umzugehen. Wir schliefen kaum und gaben unserem Sohn dennoch alles, was wir an Energie hatten. Unsere Partnerschaft trug das lange unbeachtet mit. Wir stritten verhältnismäßig viel, weil unsere Kräfte und Nerven auf eine harte Probe gestellt wurden und anfangs kein Ausgleich zu finden war. Wir wollten nur unseren kleinen Mann beschützen und ihm ersparen, was an Leid und Schmerz möglich war. Als unser Sohn das erste Mal operiert wurde, drehte sich das Bild dahingehend, dass unser Sohn plötzlich nur noch bei mir zur Ruhe kam und mich einforderte. Meinem Partner machte das emotional natürlich zu schaffen. Er versuchte aber gut damit umzugehen, da es ihm wichtig war, dass es unserem kleinen Mann gut ging. Ich steckte somit all meine Energie in meinen Sohn ohne Pause – oft habe ich darüber geschrieben.

Kurz vor der Gaumen-OP eskalierte es einmal so heftig bei einem Streit von meinem Partner und mir, dass sichtbar wurde, was all die Wochen und Monate davor sehr litt – unsere Paarbeziehung. Mittlerweile waren wir in einer Spirale gefangen, aus der es sich anfänglich kaum zu befreien ging. Nach der Gaumen-OP fiel auf jeder Seite etwas Druck ab. Aber erst, als mein Sohn 14 Monate alt war, hatten wir Zeit und die nötige Kraft unsere Beziehung zu thematisieren und stückweise wieder auf diese einzugehen. Dann kam erneut eine schwere Phase, in der ich spürte, was alles bisher kaputt ging.

Immer wieder versuchte ich mir mit Gedanken an die 4 Jahre unserer Beziehung vor der Geburt unseres Sohnes das nötige Durchhaltevermögen zu bewahren.

Bis heute – unser kleiner Mann ist nun fast 21 Monate alt – spüre ich die Auswirkungen der starken Konflikte aufgrund der Überforderung und der fehlenden Zeit für unsere Beziehung. Wir haben viel geredet und versucht in den letzten Wochen bewusst Zeit für uns zu nehmen, wenn unser Sohn schlief etc. Mein Partner wird nun auch stark von seinem Sohn als Papa eingefordert, was meinem Partner sehr gut tut. Dennoch gibt es immer wieder Auseinandersetzungen, welche ihren Ursprung im ersten Jahr unseres Sohnes haben.

Es ist noch nicht zu Ende. Eine LKGS bedeutet viele Jahre in Behandlung sein, sich Operationen unterziehen zu müssen und insbesondere die ersten Jahre fordern einen heraus. Kind wie Eltern… Derzeit sind wir in Sorge in Bezug auf die Sprachentwicklung unseres Sohnes, der Hörqualität sowie die Ausmaße seines Schmalkiefers.

Und neben all dem ist der normale Alltag mit Beruf, dem Ausbau eines alten Hauses, die Pflege eines riesigen Grundstücks und vieles mehr zu managen.

Ich bin mir sicher, dass unsere Beziehung mit einem gesunden Kind nicht diesen schweren Weg gegangen wäre. Wir hätten uns zusammen mehr freuen können, statt Ängste und Sorgen auf so lange Zeit teilen zu müssen, die so stark waren, dass dies jeder auf seine Art bewältigen musste. Das hat uns von einander entfernt.

Ich hoffe sehr, dass wir die eingeschlagene Kurve weiter kriegen. Näher zusammen gebracht, hat uns diese Krisenzeit jedenfalls nicht. Aber unsere Beziehung scheint stark genug zu sein, sie zu überleben – wenn sie auch deutliche Spuren hinterlassen hat.

 

 

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