Sprachentwicklung und Logopädie

Als unser Sohn begann neben der Milch feste Nahrung bzw.breiige Kost zu sich zu nehmen, bekamen wir die erste logopädische Verordnung aufgrund seiner Schluckschwierigkeiten. Das Gaumensegel wurde operativ im Januar diesen Jahres mit dem restlichen Gaumen verschlossen. Der Muskel selbst konnte/kann dennoch nicht zeitgleich mit dem Verschluss uneingeschränkt funktionieren. Die ersten Probleme traten diesbezüglich, wie benannt, bei der Nahrungsaufnahme auf. Das wurde mit Hilfe der Logopädin beobachtet. Diese gab mir Tipps und nahm mir die Angst, wenn er sich schlimm verschluckte. Ich habe darüber mehrfach geschrieben.

 

Trotz verordneter 10 Termine pausierten wir nach fünf, da vorerst kein weiterer Handlungsbedarf bestand. Nun aber beginnt mein kleiner Mann sich sprachlich weiter zu entwickeln und Defizite werden deutlich. Nach langer Pause starten wir somit wieder neu mit der logopädischen Therapie. Diese ist ein wichtiger Bestandteil der interdisziplinären Behandlung einer LKGS.

Auch wenn durch die Operationen und bald anstehenden kieferorthopädischen Behandlung weitgehend normale anatomische Verhältnisse im Mundraum geschaffen sind, kann es zu Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung/-aussprache kommen. Bei unserem Sohn kommt hinzu, dass der Oberkiefer deutlich unterentwickelt ist, was auch bei anderen Spaltkindern nicht unüblich ist.

Babys mit Spalte haben bereits vor der Geburt oft ein Ungleichgewicht der muskulären Kräfte im gesamten Mund- und Gesichtsbereich. Da die gespaltenen Muskeln bei den Operationen oft nicht im eigentlichen Verlauf folgend vereinigt wurden, bleibt dieses Ungleichgewicht bestehen. Oder aber es bedarf zumindest viel Training, um ihre ursprüngliche Funktion ausreichend zu übernehmen. Ebenso muss sich das Kind an die operierte Variante zunächst gewöhnen, da es viele Monate mit einem anderen Zustand in seinem Mund zurecht kam und lernte, mit diesem umzugehen.

Bei unserem Sohn ist auch derzeit schon eine Zahnfehlstellung erkennbar, welche unter anderem durch den unterentwickelten Oberkiefer bedingt ist. Auch das führt zu einer Behinderung der Aussprache.

Weiterhin können die Operationen selbst Ursache für die Auffälligkeiten beim Sprechen sein. Jeder Eingriff verursacht Narben im Gewebe. Aufgrund der Narbenbildung kann es zu Einschränkungen der Beweglichkeit der Oberlippe und besonders des Gaumensegels kommen.

Inwieweit die eingesetzten Pauckenröhrchen bei unserem kleinen Mann akkurat funktionieren und für eine ausreichende Belüftung des Mittelohres sorgen, wissen wir bis heute nicht. Sieht die HNO-Ärztin ins Ohr, beschreibt sie oft ein unauffälliges und gesundes Trommelfell. Die Messdaten am Computer jedoch sind regelmäßig schlecht.

Sollte unser Sohn also trotz der Pauckenröhrchen Flüssigkeit im Mittelohr haben, kann er alle Klänge nur verzerrt und ungenau hören. Dadurch kann er das Gehörte natürlich auch nur verzerrt wieder geben.

Die derzeitige logopädische Behandlung unterstützt meinen Sohn nun bei der korrekten Aussprache. Er ist derzeit sehr an Sprache interessiert und möchte alles nachsprechen. Er setzt Begriffe bewusst ein und ist regelrecht verzweifelt, wenn ich nicht verstehe, was er mir sagen möchte.

Dennoch hat sich unser kleiner Mann in den letzten zwei Monaten sprachlich verhältnismäßig gut entwickelt. Mir als Mama ist aufgefallen, dass – auch wenn ich ihn oft verstehe – seine Aussprache sehr verwaschen ist. Mit Wissen der Schwierigkeiten bei einer LKGS möchte ich jedoch nicht alles gleich pathologisieren, aber Acht geben.

Bei Nachfrage bei der Logopädin sprach diese diesbezüglich noch nicht von einem Defizit. Wichtig is zu wissen, ob er akkurat hört (was wir leider nicht tun, nur ahnen). Der Buchstabe S sei beispielsweise in einem gewissen Frequenzbereich, welcher bei keinem hinreichenden Hörvermögen untergeht. Zu wissen, dass unser Sohn ausreichend hört, würde bedeuten, wenn er bei dem Wort „aus“ nur „au“ sagt, dass ausschließlich die Aussprache des S noch zu schwer sei.

„An“ und „Au(s)“ sind derzeit seine am häufigst genutzten Wörter, gefolgt von „mi“ für mit, wenn er mitkommen oder etwas mitnehmen möchte. Er versucht sich in „alle“, „leer“, „mehr“, „Licht“, „heiß“, „eine“, „nochmal“, „Müll“, „Ball“, „kalt“… usw. Fast jedes von uns genutzte Wort versucht er nach zusprechen, wobei vorerst nur die erste Silbe von ihm genannt wird. Diesbezüglich hat mir die Logopädin den Tipp gegeben, dass Wort erneut auszusprechen und meinem Sohn dabei beispielsweise die Silben zart auf den Rücken zu klopfen. Durch Rhythmik soll das Erlernen dieser wohl einfacher sein. Kinderlieder sind ebenso hilfreich. Diese singe ich ihm jeden Tag bei Pause und einer Flasche Milch vor. Mittlerweile spricht er auch in diesem Kontext vereinzelt kleine Wörter nach. Die Silben-Problematik besteht jedoch nicht immer. „Papier“, „Anana(s)“, „(H)ammer“ und „Eimer“ sind Wörter, welche mein kleiner Mann recht deutlich und mit mehrern Silben ausspricht.

Das Wort „nein“ spricht er recht deutlich und aus „Papa“ macht er „Bapa“. Das klingt sehr süß und man merkt ihm seine Freude an, endlich zwischen Mama und Papa auch sprachlich differenzieren zu können.

Momentan können wir weitere Übungen in unseren Alltag gut einbauen, die das Gaumensegel stärken (es tritt nach wie vor Essen aus der Nase), welches sprachlich eine wichtige Bedeutung hat. Unser Sohn hat großen Spaß am Streichholz oder Kerze auspusten. Anfangs habe ich ihm dabei noch geholfen. Aber mit der Zeit kanalisiert er die Luft immer besser durch den Mund statt durch die Nase. Das ist herrlich. Vor Freude klatscht er in die Hände und strahlt über das ganze Gesicht.

Bei einem Becher Wasser lässt er mit seinen Lippen und dem Luftstrom das Wasser blubbern oder auch mit Hilfe eines Strohhalms konnte er schon Blasen ins Wasser machen.

Eine LKGS kann eine Vielzahl an Auswirkungen auf die Sprache eines Kindes haben. Von Problemen der Lippenlaute, dem Näseln, dem sogenannten nasalen Durchschlag bei Lauten wie „p“, „b“, „t“, „d“, „k“, „g“, „f“, „s“, „sch“ und „ch“ (wo  falscherweise Luft durch die Nase gepresst wird), der nasalen Turbulenz bis hin zu zu wenig oralem Druck, der Rückverlagerung von Lauten oder mimischer Mitbewegung (bei schwierigen Lauten versuchen manche Spaltkinder weitere Gesichtsmuskeln mit einzubeziehen wie das Naserümpfen oder Runzeln der Stirn) könnte alles auf unseren kleinen Mann zu kommen. Oder aber es bleibt bei nur einem geringen Ausmaß der Sprachprobleme.

Da wir die logopädische Begleitung mit Beginn des Spracherwerbs unseres Sohnes initiierten, hoffe ich, dass größere Auffälligkeiten und Probleme – also falsche Sprechmuster – sich gar nicht erst einschleifen.

 

 

4 Gedanken zu “Sprachentwicklung und Logopädie

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