vom Alltag, der Pflegebegutachtung, dem Träumen, Lieder singen und der Sprachentwicklung – ein kleines Resümee

In den letzten Wochen ist viel passiert, sei es in der alltägliche Entwicklung oder in der spezifischen Sprachentwicklung meines kleinen Mannes. Ich bin immer wieder fasziniert, wie diese kleinen Menschen sich entwickeln und sehr froh darüber, mir die Zeit genommen zu haben, davon alles mitzubekommen. Mein Sohn wird Anfang Februar 2 Jahre alt. In einem Jahr kommt er in eine Kindertagesstätte. Bis dahin begleite ich ihn weiterhin 24h am Tag, besuche mit ihm regelmäßig Spielkreise mit anderen Kindern, gehe zur Logopädie, besuche Freunde, lasse meinen Sohn in seinem Tempo den Alltag erleben und hoffe ihn, dabei gut begleiten und unterstützen zu können. Entwicklung kann nämlich auch ganz schön anstrengend sein – für Sohn und Mama.

Aufgrund des Alltags verliere ich hin und wieder die Augen für seine positive Entwicklung. Das möchte ich nicht. Über Weihnachten und Silvester waren wir viel unterwegs. Der Kummer, der Stress und die Unannehmlichkeiten der Milchpumpe, die Angst vor der nächsten OP, welche das Jahr zu vor uns diese Reisen versagten, waren so nicht mehr gegeben. Es war aufregend für meinen Sohn, auch anstrengend, aber eben wunderschön. Ihn in allem zu beobachten und zu genießen, war herrlich.

Seine sozialen Fähigkeiten, die er ohne Rückschritte im Vergleich mit anderen erworben hat, sind beeindruckend. Dies anzuerkennen, beruhigt mich und erfreut mein Herz. Und er ist ein Kasper. Ich habe viel zu lachen. Motorisch war er von klein auf fit, grob- wie feinmotorisch. Erstaunlich, wie er einen Stift hält und versucht detaliert zu malen. Seine Kreativität lebt er im „Erfinden von Spielen“ aus, sei es im Haus oder draußen in der Natur. Er interagiert altersgerecht mit anderen Kindern, liebt das Bauen mit Duplo-Steinen und die Hilfe im Haushalt – er räumt beispielsweise den Geschirrspüler völlig selbst aus und sortiert das Geschirr richtig ein. Seine Figuren und Kuscheltiere werden von ihm gefüttert, dürfen und sollen Bücher mit angucken, werden aufs Töpchen gesetzt oder draußen mit ins Spiel eingebunden.

Deutlich werden seine Bestrebungen nach Autonomie, die von mir derzeit und mit zunehmender Intensität viel Geduld und Feingefühl verlangen.
Manchmal empfinde ich ihn als völlig „normal“ und vergesse beispielsweise sein Mundtrauma. Beim Zähne putzen wird dies jedoch jeden Tag sichtbar. Er verweigert jeden Eingriff meinerseits in seinen Mund. Da er aber mittlerweile problemlos jede Nahrung zu sich nehmen kann, fühle ich mich bei dem Gedanken nicht gut, dass er sich nicht die Zähne putzen lässt. Er nimmt die Zahnbürste selbst in die Hand und kann mittlerweile diese auch ein bis zweimal richtig führen. Der Großteil der Zeit jedoch katscht er einfach nur auf dieser herum. Mich macht das manchmal wahnsinnig.

Im November letzten Jahres erfolgte eine Begutachtung des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse, um den Pflegeaufwand meines Sohnes zu kontrollieren bzw. abzugleichen. Bisher hatte er die Pflegestufe 3, welche mit der Pflegereform zum Pflegegrad 4 wurde. Die Pflegereform brachte einige Veränderungen mit sich, welche Demenzkranken zu Gute kommt, da diese nun endlich auch erfasst werden. Viele Menschen mit Pflegebedarf bringt sie aber auch Nachteile, weil der Aufwand nicht mehr in zeitlichen Dimensionen festgehalten wird. Die zusätzliche Pflege meines Sohnes aufgrund seiner LKGS hat natürlich mit den zwei OP´s im letzten und vorletzen Jahr abgenommen. Dennoch ist sie nach wie vor in einem gewissen Umfang nötig. Die Begutachtung ergab nun Pflegegrad 2. Ich bin froh, dass der Pflegeaufwand nach wie vor gesehen wird, wenn auch nicht hinreichend. Das Protokoll weist einige Fehler auf. Jedoch blieb mein Widerspruch ohne Erfolg.

Sprachlich freue ich mich sehr, dass so gut wie jeden Tag Fortschritte ersichtlich werden. Anfangs bildete mein Sohn kontinuierlich nur eine Silbe eines Wortes. Dies ist gänzlich verschwunden und mein kleiner Mann versucht jedes Wort mit all seinen Silben nachzusprechen. Er ist den ganzen Tag am Plappern und kommentiert jeden seiner Schritte. Er kommuniziert mit mir, wie er etwas haben möchte und das mittlerweile schon bis zu drei Wörtern am Stück, beispielsweise „Mama mit rein“. Natürlich ist seine Sprache noch sehr verwaschen und nicht jedes Wort verstehe ich gleich oder manchmal auch nur im Kontext. Aber auch bei Kindern, die ohne eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren sind, kann das in dem Alter normal sein. Mein Sohn entwickelt sich sprachlich weiter. Das ist wichtig, schön und beruhigend. Sein Wortschatz ist nun recht groß, so dass die geforderten 50 Wörter der HNO-Ärzten bei weitem überschritten sind, welche uns vor 4 Monaten noch verunsicherten.

Ein fest etabliertes Ritual in unserem Alltag ist das Singen, wenn mein Sohn einschlafen möchte, also mittags (naja, bei uns ist es eher vormittags. Mein Sohn hält keinen klassischen Mittagsschlaf) und abends. Am Nachmittag, wenn mein Sohn noch einmal eine kleine Pause benötigt, trinkt er seine Flasche Milch und ich singe dazu. Er sagt mir, wenn er Lieder an diesem Tag nicht mag und manchmal auch, welche er hören möchte. Viele Lieder ergänzt er mit einzelnen Wörtern. Das ist süß und bereitet mir viel Freude. Ich mag dieses Ritual sehr.

Amüsant sind manchmal die Nächte mit meinem kleinen Mann, wenn es scheint, dass er träumt und dabei spricht. Dann wird beispielsweise im Traum erboßt „allein“ geschrien, was er im Alltag regelmäßig macht, um seine Autonomie zu erbeten. Aber auch ein Lachen und „nochmal“ erlebe ich öfter in der Nacht, ebenso wie „Papa Arbeit“ usw.

Was die Deutlichkeit der Aussprache meines kleinen Mannes angeht, warte ich ab. Die Logopädin steht meinem Sohn nach wie vor zur Seite. Diese meinte, dass nicht vor Abschluss des Spracherwerbs von einer Störung gesprochen werden kann.

Im Februar haben wir wieder einen Termin im Spaltzentrum, welches die Kontrolle bei der dort ansässigen HNO-Ärztin beinhaltet sowie die weiteren Behandlungen der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Im September letzten Jahres wurde bestätigt, dass die Gaumenspalte gänzlich geschlossen ist und keine weitere Behandlung bedarf. Somit besteht derzeit ausschließlich die Kieferspalte. Jedoch wird sein unterentwickelter Oberkiefer eine langwierige Behandlung und im schlimmsten Fall massive Eingriffe erfordern. Wir werden im Februar eine Überweisung zum Kieferorthopäden bekommen, welcher dann zusätzlich zu den bisherigen Ärzten auf unserer Liste erscheint und regelmäßg besucht werden muss.

Bis dato aber beschäftigen mich wohl eher – wie andere Mamas auch – die alltäglichen Herausforderungen der kindlichen Entwicklung.

 

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4 Gedanken zu “vom Alltag, der Pflegebegutachtung, dem Träumen, Lieder singen und der Sprachentwicklung – ein kleines Resümee

  1. Hallo, ich habe länger nicht gelesen, hoke es aber gerade nach… Also wenn ich nicht wüsste, dass du über deinen Sohn schreibst, würde ich fast wetten, es handelt sich um meinen 😂.
    ALLEINE!!! MAMA KOMM MIT…. Nächtliches Erzählen.. Nunja… Genau die selben Worte… Schon kurios die kkeinen Leute 😊. Und ja, die Aussprache ist auch hier teilweise recht undeutlich, dass nur ich bzw Papa es verstehen, wird aber von Wiederholung zu Wiederholung des Wortes jedes Mal ein Stückchen besser (auch nit unserer Hilfe). Ich habe den Vergleich zur großen Schwester, welche auch sehr früh, sehr deutlich gesprochen hat. Da kommt er bei Weitem nicht heran, aber ich höre im Kindergarten (in der er nun übrigens seit 6 Wochen – man bedenke wir haben nit der Eingewöhnung letzten April begonnen – auch endlich gern geht) sehr ofrt, wie weit er schon ist und wie deutlich er spricht, auch von Muttis jüngerer Kinder. Man sagt ja verallgemeinernd, dass Jungs sowieso etwas später nit dem sprechen sind und der Fokus eher auf Bewegung liegt (bei Mädchen ja teilweise das Gegenteil – so mein Tochterkind). Allerdings ist es auch wahnsinnig, was so ein kleiner Kopf innerhalb 3 oder 4 Wochen für einen riiiiiiiiiesigen Sprung machen kann…. Von daher ist alles noch offen. Es freut mich, dass es euch so gut geht und du wirklich 3 Jahre Zeit widtmest, das finde ich soooo schön.
    Alles Liebe weiterhin, Julia

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Julia… Schön, wieder von dir (euch) zu lesen. Ich freue mich immer sehr, wenn du mir deine Erfahrungen mit deinem kleinen Mann mitteilst. Dass dein Sohn so lange gebraucht hat, um in der Krippe anzukommen, lese ich jedoch mit einem traurigen Gefühl. Um so besser, dass er sich jetzt wohl fühlt.
      Dir noch viel Spaß beim Nachlesen und bis bald…

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      1. Ja, auch ich habe sehr gehadert was den Kindergarten angeht. Leider gab/gibt es bei uns aber keine andere Lösung, deshalb haben wir das Beste daraus gemacht und ich denke wir haben es zu Hause sehr gut kompensiert bekommen. Zumal die Kinder ja auch merken, dass es zwei verschiedene Welten sind-wenn der Halt zu Hause stimmt ist ein gutes Fundament sein eigen. (PS – er stillt auch nach wie vor 😉)
        Nach vielen vielen Gedanken bin ich jetzt wieder im Reinen, dass wir (den Gegebenheiten angepasst) die beste Möglichkeit gefunden haben, diese Reise zu meistern. Schließlich wird es ja auch nicht die letzte Erfahrung in seinem Leben sein.
        Bis bald

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