3. OP- Szenario

Eigentlich sollte es nur ein kleiner Eingriff werden mit zwei Nächten im Krankenhaus – also nicht vergleichbar mit dem Lippen- sowie dem Gaumenverschluss.

Doch irgendwie kam alles anders…

Diese Operation war bereits dahin gehend geprägt, dass ich sie zweimal abgesagt hatte, , weil keine Kleinkindgerechten Verhältnisse herrschten,obwohl ich selbst mit meinem Sohn bereits zur Aufnahme im Krankenhaus war. Daraufhin beschloss ich diesen Eingriff vom eigentlich gewählten Spaltzentrum abzukoppeln und an die HNO-Abteilung am Wohnort zu verlegen, da es sich ausschließlich um das Ersetzen eines Paukenröhrchens handelte und dies für mich qualitativ auch dort zu bewerkstelligen war.

Der Aufnahme-Tag ist immer stressig. Viele Gespräche müssen stattfinden, viele Wartezeiten sind schwer mit Kleinkind zu überbrücken – aber das war alles irgendwie zu bewältigen. Abends um 19:20Uhr sagte man mir, dass mein Sohn den darauffolgenden Tag um 10:30Uhr operiert wird. Um 10:30Uhr? Ein Zweijähriger, der so schon durch den Krankenhausaufenthalt gestresst ist und dem ich noch nicht verständlich erklären kann, was alles warum wie mit ihm passiert, soll die Nacht bis zur OP um 10:30Uhr nüchtern sein?

Der OP-Tag begann 5 Uhr, als mein Sohn wach wurde und Hunger hatte. Ich habe 5h versucht meinen kleinen Mann abzulenken, ihm zu erklären, dass sein Bauch leer sein muss, damit die Ärzte bei der Operation sein Ohr wieder gesund machen können etc. Ich war völlig fertig und allein. Gegen 9:00Uhr ist er weinend neben mir im Bett nochmal eingeschlafen. Dann standen plötzlich die Schwestern im Zimmer und ich hatte 5min, meinen Sohn umzuziehen (OP-Hemd). Er stand völlig neben sich und hat um sich geschlagen und ich musste ihn unter körperlicher Einengung aus- und umziehen. Das war grausam für mich und natürlich noch viel mehr für meinen Sohn. Als die Schwester versuchten, ihm Pflaster mit einer Salbe an Hand und Arm zu kleben, wo er später eine Infusion gespritzt kriegen sowie Blut abgenommen werden sollte, riss sich mein kleiner Mann bei jedem Versuch unter tobenden Geschrei die Pflaster wieder ab und schrie mich an, ich solle die Salbe entfernen. Ich hatte keine Möglichkeit ihn irgendwie zu beruhigen. Weiter ging es damit, dass die Schwestern ihm den Beruhigungssaft nicht einführen konnten und ich ihn somit diesen irgendwie in seinen kleinen Hals zwang. Grauenvoll…

Es war schlimm und das bereits seit fast 6h.

Dann gingen wir in den OP- Bereich. Der Beruhignungssaft wirkte dahin gehend, dass mein kleiner Mann nicht mehr stehen konnte und duselig wurde. Jedoch war er immer noch voller Panik und Energie. Die OP- Schwestern waren regelrecht erschrocken darüber. Nach einer halben Stunde Wartezeit im OP-Bereich kam der zuständige Arzt und wollte ihn mitnehmen. Mein Sohn schrie alles zusammen, was nur ging und strampelte und wehrte sich. Er schrie und weinte nach mir. Der Arzt nahm ihn hoch trotz des heftigen Strampelns und schränkte ihn mit ein paar Handgriffen körperlich so ein, dass mein Sohn sich nur noch schwer bewegen konnte. Aber er schrie weiter nach mir unter völliger Panik. Ich musste dann den Bereich verlassen und hörte ihn noch lange bis draußen.

Zum ersten Mal bin ich an dieser Stelle bei unseren bisherigen OP-Erfahrungen weinend zusammen gesackt. Ich war völlig fertig und zitterte am ganzen Körper.

Nach einer halben Stunde rief man mich an, ich solle in den OP-Bereich kommen. Das ist völlig unüblich, da ich eigentlich im Aufwachraum auf ihn warten sollte. Man zog mir OP-Kleider an und meinte, dass auch noch ein Arzt mit mir sprechen müsse.

Ich wusste nicht was los war und wollte nur noch so schnell wie möglich zu meinem kleinen Mann. Und da lag er mit seiner Sauerstoffmaske auf der Seite und schlief. Man holte mich dazu, damit mein Sohn die Möglichkeit habe in Ruhe mit mir an seiner Seite aufzuwachen. Es gab wohl noch heftige Szenen im OP, die man nicht wiederholen wollte. Die Möglichkeit beim Aufwachen da sein zu dürfen, fand ich sehr wichtig. Eigentlich sei in diesem Krankenhaus so so nicht möglich gewesen und man hätte mich in Normalfall erst dazu geholt, wenn er bereits 20min wach sei.

Aber der Tatsache geschuldet, dass es bis zur Narkose so schlimm gewesen sein muss, zerreißt mich auch jetzt noch in kleine Stücke. Was muss mein Sohn für Ängste verspürt haben? Diese wird sein kleines Hirn nicht adäquat verarbeiten können. Ich fühle mich so schuldig!

Als ich dann also neben seinem kleinen Bett wachte, bis er aufgewacht ist, kamen die behandelnden Ärzte zu mir. Sie offenbarten mir, dass der Eingriff nicht vorgenommen werden konnte. Es konnte kein neues Paukenröhrchen eingesetzt werden, da sein linkes Trommelfell zerstört sei. Das wäre vorher so nicht erkannt worden. Sein Trommelfell bestünde nur noch aus einem kleinen Saum, ansonsten sei es ein einziges großes Loch.

Ich war völlig raus… Bin ich doch mit dem Gedanken ins Krankenhaus gegangen, dass wir dann vielleicht diesmal bis zur Kiefer-OP in 6 Jahren Ruhe haben, dass mein Sohn einfach Kind sein darf und nicht permanent mit Ärzten konfrontiert wird sowie mit Einschränkungen im Alltag zurecht kommen muss.

Jetzt sagte man mir, dass er ein Trommelfelldefekt habe, welcher ebenfalls erst einmal operativ behoben werden muss – dies aber in diesem Alter nicht so gehandhabt wird. Sein Hörvermögen ist stark eingeschränkt, da kein Trommelfell da ist, welches schwingen kann. Die Infektionsgefahr ist durch das Loch wesentlich höher als mit einem Paukenröhrchen, welche bereits für viele Einschränkungen im Alltag verantwortlich sind.

Ich weiß nicht, was sonst noch alles auf meinen kleinen Mann zukommen soll. Ich bin völlig raus!

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2 Gedanken zu “3. OP- Szenario

  1. Auch wenn es an der Tatsache, dass die Situation so ist, wie sie ist…. Fühl dich einfach mal nur ganz ganz fest gedrückt, ich kann mich so sehr einfühlen 😔
    Ich drücke euch ganz fest die Daumen
    Julia

    Gefällt 1 Person

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