Problemlage Kiefer

Ich war nun mit meinem Sohn beim Kieferorthopäden. Wie vereinbart nach der OP… Es sollte um den Platzhalter für die Zähne und die beginnde Kieferdehnung in Anbetracht der nächsten OP zur Schließung der Kieferspalte in etwa fünf Jahren gehen.

Der Kieferorthopäde hat sich meinen kleinen Mann und dessen Gebiss und Kiefer sehr genau angesehen und lange überlegt. Er gab seine Überforderung deutlich zu. Nicht nur die Kieferspalte an sich wird bei meinem Sohn eine große Herausforderung werden, da diese wie auch einst die Lippen- und Gaumenspalte sehr ausgeprägt ist. Der Oberkiefer sei immens deformiert und schwierig in eine halbwegs normale Form zu bekommen.

Das war ja auch die Ursache für die schief und in einander verhakten Zähne und somit für den heftigen Kariesbefall.

Nun kommt hinzu, dass die Vielzahl der heraus genommen Zähne im Oberkiefer durch die letzte OP dafür sorgen wird, so der Arzt, dass die ohne hin schon wenige Knochensubstanz sich noch weiter zurück bilden wird. Es ist ja auch erst in zwei bis drei Jahren absehbar, dass die bleibenden Zähne bei meinem Sohn nachrücken werden. Er bekam seine Milchzähne bereits recht spät.

Weitere Problematik sei die Kieferdehnung. Zum einen habe durch die wenige Anzahl der noch verbleibenden Zähne im Oberkiefer der Arzt keine richtige Grundlage eine Spange zu befestigen, die die Kieferdehnung unterstützen würde. Somit sei auch ein Platzhalter aus Sicht des Kieferorthopäden nicht relevant, da ohnehin nicht viel da ist, was Platz den neuen Zähnen nehmen würde.

Zum anderen könnte eine Spange vielleicht Zähne in die richtige Richtung lenken. Ich kenne dies selbst noch aus meiner Jugendzeit. Aber es handelt sich hier um den Kiefer. Eine Spange könnte diese Kraft nicht aufbringen, so der Kieferorthopäde. Nicht unter den Gegebenheiten und der heftigen Deformierung des Oberkiefers… Somit erläuterte mir der Kieferorthopäde weiter die Herangehensweise, dass die Kieferdehnung durch eine feste Fixierung im Kiefer geschehen müsste… Man müsste meinem Sohn in den Kiefer bohren. Die Vorstellung davon empfinde ich als sehr gruselig. Er ist 5 Jahre alt. Zudem sei dies keine Kassenleistung.

Der Arzt meinte zu mir, da es sich hier um einen aussergewöhnliche und sehr herausfordernde Behandlung drehen würde, möchte er dies doch vorab mit Kollegen*innen im Arbeitskreis besprechen.

Mein kleiner Mann und seine LKGS hat es schon auf mehrere Gremien geschafft. Unsere Stillberaterin stellte dies in ihrem Arbeitskreis vor, mein Gynäkologe in der Schweiz bei einer Tagung…und nun auch der Kieferorthopäde.

Ich kann mich noch gut an meine Schwangerschaft mit meinem Sohn erinnern, wo ich mir auf verschiedenen Wegen Informationen zu dieser Art der Beeinträchtigung geholt habe. Ich war unter anderem nach Dresden gereist, um einen Vortrag über die Behandlung bei Lippen-Kiefer-Gaumenspaltenkindern anzuhören. Der dort vortragende Kieferorthopäde sprach immer wieder davon, dass sich die verschiedenen Professionen von MKG, Zahnheilkunde, Kieferorthopädie etc. gegenseitig im Weg stünden. Was für die eine Profession zu einem Zeitpunkt richtig erscheinen mag in der Behandlung für eine andere Profession diese wiederum erschwert. So auch jetzt durch die Herausnahme der Zähne und des damit verbundenen zusätzliche Knochenrückgangs…

Der damalige Redner bei der Veranstaltung berichtete von bis zu 30jährigen Männern, welche mit einer LKGS zur Welt kamen, die mehrere Jahre in der kieferorthopädischen Behandlung sich immer wieder ihren Kiefer haben lassen brechen müssen, um weitere Schritte zur Normalität kommen zu können. Diese Vorstellung erschaudert mich.

Ich habe das Gefühl, dass die letzten 5 1/2 Jahre Behandlungen für meinen Sohn zu seinen leichtesten Aufgaben zählten, wenn ich mir vorstelle, was jetzt noch alles auf ihn zukommen soll.

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